Into the green

Vor nem halben Jahr hat mich Lisa gefragt, ob ich an der dritten Phase des Austausches zwischen Deutschland, Frankreich und Mazedonien teilnehmen möchte. Organisiert vom Centre Francais de Berlin und dem Deutsch-Französischen-Jugendwerk.
Und nun ging es endlich los:

Freitag ~ 28.06.2019 

5 Uhr aufstehen, 6 Uhr losfahren, 7 Uhr bei Lisa vor der Tür stehen. Ihr Papa hat uns dann zum Flughafen gefahren, wo wir die Ersten waren. Als sich die Gruppe gefunden hatte, ging es gleich zur Gepäckaufgabe und durch die Kontrollen. Als wir auf unseren Flieger am Gate gewartet haben, sind Lisa und ich noch ein bisschen durch die Geschäfte gestreift und ich habe meine Bändchen um eines erweitert. 10h45 sollte der Flieger losfliegen, hatte aber eine ganze Stunde Verspätung. Also saßen wir am Gate vor dem Einlass auf dem Boden und haben Ukulele und Arschloch gespielt. Aber immerhin war das Flugzeug in seiner Verspätung pünktlich^^

14 Uhr sind wir dann in Toulouse gelandet und wurden von Laurent und Florien in zwei kleinen Minibussen abgeholt. Alex meinte, die Fahrt bis nach Montbrun dauert 3h….gut, mit Zwischenstopp in Albi sind wir erst 18h30 angekommen. Die Fahrt war sehr anstrengend und heiß, dafür war die Landschaft einfach toll. Zwischendurch haben wir Pause an einer Tanke gemacht, von wo aus wir eine tolle Aussicht auf eine Burg auf einem Hügel hatten. Es sah aus wie ein beliebtes Motiv für Künstler: wie gemalt!

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In Montbrun angekommen, haben uns die Franzosen freudig begrüßt und wir sind erstmal im Tarn baden gegangen. Das war wunderbar erfrischend nach der langen verschwitzen Fahrt.

 

Nachdem wir unsere Zelte bezogen haben – ja, es wurde ein Campingurlaub – gab es noch Abendessen: Salat und Nudelauflauf. Danach ging es erstmal ins Bett nach diesem langen und auch aufregenden Tag.

Samstag ~ 29.06.2019

Die Nacht war überraschend gut! Trotz fremden Schlafsack habe ich nicht gefroren und die Matratze war auch ultra weich und bequem. Das französische Frühstück bestand überraschender Weise aus weit mehr als nur Baguette und Marmelade.

Um 11 Uhr ging es dann los mit Kennlernspielen. In der Nacht sind noch die Mazedonier angekommen. Neben dem Programm wurden dann auch ein paar Regeln für den Campingplatz und des Zusammenlebens vorgestellt.

In der halben Stunde bis zum Mittagessen sind wir alle noch mal schnell in den Tarn gesprungen. Nach dem Mittagessen, bestehend aus Reissalat und Melone, war noch Zeit für ein kleines Nickerchen, wofür ich mich auf die Wiese gelegt habe.

16 Uhr wurden wir dann in die zwei vorhandenen Minibusse gestaffelt nach ST. Enemie gefahren, wo wir in gemischten Gruppen uns die Stadt angeguckt haben. Es war mega cool, zu Orten zurück zukehren, an denen man bereits war. Ich war ja letztes Jahr mit meiner Familie bereits hier im Campingurlaub, allerdings in Castelbouc. Nach der kleinen Stadtrallay haben wir uns wieder zum Baden am Tarn getroffen, wo wir dann auch gemeinschaftlich Kebab mit Pommes am Wasser gegessen haben. Später gab es an der Promenade noch Bio-Eis, wobei es wahnsinnig viel Auswahl gab. Ich habe mich dann letztendlich für Cookies und Passionsfrucht entschieden.

 

Zum Abschluss des Tages ging es noch zu einem kleinen Konzert in Ispagnac. Auf dem Weg dorthin, wurde im Auto „Uptown Funk“ von Bruno Mars gesungen, weil das Radio kaputt war. Das hat mega Laune gemacht! Auf dem Konzert haben wir uns dann zusätzlich noch die Füße wund getanzt bis wir dann erst nach Mitternacht wieder im Schlafsack lagen.

Sonntag ~ 30.06.2019

Nach dem Frühstück gab es zuerst eine kleine Einweisung für die bevorstehende Kanutour am nächsten Tag. Für danach hatten sich die Mazedonier ein Spiel ausgedacht: Auf dem Boden lag ein Muster aus Kacheln. Das Ziel war, auf die andere Seite zu kommen, aber nur die zwei Teamleiter wussten, auf welche Kacheln man treten konnte. So mussten wir nacheinander ausprobieren, um den Weg auf die andere Seite zu finden.

Für das Mittag sind wir nach Ispagnac in den Gemeinschaftsgarten gefahren und haben dort ein Interkulturelles Mittagessen veranstaltet mit Obatzta aus Bayern, leckerem Käse aus der Loizère und extrem süßem Saft aus Mazedonien. Anschließend haben wir an verschiedenen Projekten im Garten gearbeitet. Eine Gruppe hat an einer Sitzecke gearbeitet, Gruppe Nummer zwei hat eine alte Badewanne bepflanzt, eine Bank aus Paletten wurde geschliffen und geölt und eine Hütte aus Bambus sollte gebaut werden.
Nach einer kleinen Pause lag ich eigentlich den ganzen Nachmittag im Fluss 😀

 

Gegen 18h30 sind wir zum Parkplatz von Ispagnac und wurden dort von den Gastfamilien nach Florac gefahren. Ich bin bei Martin mitgefahren und hab seiner Mutter einen Yogi-Tea-Nach dem Essen geschenkt. Sie hat sich mega gefreut und meinte, dass das ihr Lieblingstee ist. Das war süß.

 

In Florac haben wir dann alle zusammen auf dem Place Du Beurre gegessen mit den Eltern der Franzosen. Wir durften uns auch die Wohnung von Maja ansehen. Das war wahnsinnig faszinierend, weil von außen ist das eine kleine süße Fassade, aber innen sind die Räume wirklich sehr groß. Und gemütlich!
Es war ein wirklich besonderer Abend den ich sehr genossen habe. Außerdem hab ich an dem Abend den Entschluss gefasst, dass ich unbedingt die französische Sprache mit in meinen späteren Beruf mit einbinden möchte UND das Praktikum im dritten Ausbildungsjahr genau dort machen möchte. Klar, Städte wie Montpellier und Marseille sind toll, aber dort draußen in der Natur, in den Bergen, am Tarn und bei den wirklich kleinen Örtchen war ich wirklich wirklich glücklich und ich möchte unbedingt dahin zurück und dort eine Zeit lang leben.

Wir haben uns total nett mit den Eltern unterhalten und wurden gegen 23 Uhr zurück zum Campingplatz nach Montbrun gebracht.

Montag ~ 01.07.2019

An jenem Morgen wurden alle Vorbereitungen für die zweitägige Kanutour getroffen, aber für mich lief es an dem Tag ganz ganz anders.

Ich hatte an dem Tag richtig extreme Krämpfe und Emotionen, die aus mir heraus sprudelten, dass Florien mir die Möglichkeit bot, den Tag bei Christel (der französischen Teamleiterin) zu verbringen und am Abend dazuzustoßen. Da war ich sehr erleichtert, da ich wirklich in keiner guten Verfassung war.
Ich bin dann mit zu Christels Haus mitgefahren. Irgendwo in den Bergen, fernab von  Bäckerei und Supermarkt in einem süßen Haus mit blauen Fensterläden und Weinranken. Wir haben zusammen Couscous Maroccain mit Tomaten, Melone, Ei, Kichererbsen,… gegessen. Danach haben wir uns hingelegt für ein kleines Schläfchen. Sie musste 17 Uhr noch Mal los was erledigen. Ich habe bis zu ihrer Rückkehr noch ein bisschen geschlafen.

20 Uhr hat sie mich dann eingesammelt und wir sind nach Ispagnac gefahren. Da hat sie mir erzählt, dass sie ihr Haus nie abschließen. Außer wenn sie in die Ferien fahren, aber ansonsten kommt da a) keiner vorbei und b) gibts hier einfach keine Einbrecher, eben weil es so weit ab vom Schuss ist. Für sie ist es einfach super entspannt, weil sie weiß, dass sie sich darüber keine Sorgen machen muss. Das find ich mega cool.

In Ispagnac sind wir auf Laurent und Matis getroffen. Matis hatte an dem Tag eine Prüfung in Montpellier, wohin ihn Laurent gefahren hat. Nach einer Pizza sind wir mit dem Auto nach Prada gefahren. Matis war ultra müde, weil es in Montpellier so warm war, dass er nicht schlafen konnte und war dann dementsprechend etwas gereizt, als wir nicht sofort nen Parkplatz gefunden haben im Dunkeln. Dann mussten wir auch noch mit Melonen im Karton den Tarn zu Fuß durchqueren, einen kleinen Weg langlaufen und schließlich einmal quer durch den Wald und das Unterholz laufen. Letztendlich hatte ich Strand und Wald und Wasser in meinen Schuhen… Am Zeltplatz angekommen, hat sich Matis leider doch dafür entschieden, mit Christel wieder nach Hause zu fahren und im eigenen Bett zu schlafen. Und dafür auf die Kanutour zu verzichten. Dafür war er aber sehr erholt am folgenden Abend.
Wir haben die Nacht dann unter den Sternen verbracht. Das war schön.

Dienstag ~ 02.07.2019

Nach dem Frühstück haben wir unser Nachtlager aufgeräumt und zurück in die Kanuboxen gestopft. Anschließend saß ich mit Lisa in einem Boot und es hat etwas gedauert, bis wir auf einander eingespielt waren. Aber dann hat es prima geklappt!

 

Zwischendurch haben wir kleine Spiele gespielt. Zum Beispiel mussten zwei Boote als Paar zusammenarbeiten: Eins hat Geräusche gemacht und das andere musste dem blind folgen.
Als wir in ST. Enèmie eingefahren sind, sind wir erstmal komplett mit Schwimmweste und Klamotten ins Wasser. Mussten dann aber feststellen, dass es doch noch weiter ging….Zwischendurch haben wir uns auch blöd verletzt, als wir mit dem Boot gegen einen Stein gefahren sind, es mich aus meinem Sitz geschleudert hat und ich dann volle Kanne mit dem Rücken gegen den Sitz gerammt wurde. Es tut immer noch weh beim Laufen und mich dran anlehenen oder drauf legen kann ich nicht, aber blau wird es irgendwie auch nicht…

Als wir dann endlich das Ziel erreicht haben, war die Sonne schon verschwunden und ich bin mit dem ersten Bus direkt mitgefahren. Gerade rechtzeitig, denn danach hat es direkt angefangen zu Schütten aus allen Wolken! Fette Regentropfen fielen in Strömen vom Himmel. Für uns jetzt nicht so cool, tat dafür aber der Natur echt gut! Und ich fand auch, dass der Regen und im Hintergrund die Berge…. es sah einfach wunderschön aus! Und es roch so gut 🙂

Zurück am Campingplatz hab ich mich erstmal der nassen Sachen entledigt und eine heiße Dusche genommen. Dabei fiel der Strom aus. Aber im dunkeln Duschen war auch mal ne coole Erfahrung 😀

Um 21 Uhr sind wir nach Quézac zum Konzert gefahren. Da hat wohl der coolste DJ der Welt aufgelegt. Es hatte total was vom Folklorum, der Typ hat mit ganz vielen verschiedenen Geräuschen und Instrumenten gearbeitet und sie alle übereinander gelegt. Man konnte nicht anders als tanzen! Es hat so ultra Spaß gemacht!! Dabei hab ich jetzzt auch jemanden gefunden, der jederzeit mit mir in Berlin tanzen gehen würde, egal was für Musik. Hauptsache Tanzen!

Mittwoch ~ 03.07.2019

Nach dem Frühstück saßen wir im Kreis zusammen und haben eine kleine Sprachanimation gemacht. Dabei haben wir die Wörter SONNE, EIS, PADDEL, RETTUNGSWESTE, LINKS und RECHTS ABBIEGEN auf Deutsch, Französisch und Albanisch gelernt und geübt mithilfe eines kleinen Gestenspiels pro Vokabel. Danach haben wir die Interkulturelle Kasinomethode drangehängt, die ich bereits aus dem FSJ kenne.

Nach dem Mittag sind wir in den Gemeinschaftgarten gefahren, um unsere Projekte zu beenden. Dort haben wir erst ein bisschen gesungen und mit Body-Percution begleidet. Dann hat es plötzlich wieder angefangen zu regnen. Ich glaube ja, wir haben den Regen mit unserem Gospelsong hergetanzt, da der vom Wasser handelte.
Also sind alle zurück in die Autos, doch dann blieb Alex im Matsch stecken. Laurent musste Starthilfe geben und als er wieder aufschaute, war er von oben bis unten durch die durchdrehenden Reifen mit Matsch bespritzt. Alex war auch noch mal kurz draußen im Regen und sah zwei Minuten später so aus, als würde er frisch aus der Dusche kommen^^

 

Also haben wir den Rest des Tages auf dem Campingplatz verbracht mit Lesen, Schlafen und Spiele spielen wie Ligretto, Double und Werwolf. Abendessen gab es natürlich auch noch ;D

Donnerstag ~ 04.07.2019

Pünktlich um 10 Uhr sind wir nach Florac auf den Markt gefahren. Dort habe ich für einen super Preis einen Hut, Armbänder und eine Hose erstanden.
Gegen 12 Uhr mussten wir alle wieder im Auto sitzen um nochmal in den Gemeinschaftsgarten nach Ispagnac zu fahren. Dort haben wir es diesmal geschafft unsere Projekte erfolgreich zu beenden und haben noch schöne Gruppenfotos gemacht – mit den Projekten, alle zusammen und nur wir Deutschen.

Anschließend ging es mit dem Bus weiter hinter Ispagnac zu einem großen Hügel mit fantastischer Aussicht Die Geschichte zu diesen beiden Hügeln geht wie folgt: Früher lief hier in der Loizière ein Riese entlang, setzte sich genau hier hin und zog sich seine Schuhe aus. Er kippte den Sand raus und so entsanden diese beiden Hügel.
Wir haben uns also den steilen Weg hoch gequält und wurden mit einer unglaulichen 360° Panoramaaussicht belohnt. Wir haben die Aussicht genossen un natürlich einiges an Fotos gemacht ;D

 

Am Ende haben wir am Fuße des Hügels noch eine Auswertung des Austausches und dieser einzelnen Woche gemacht, so wie Fotos im Sonnenuntergang.

Zurück auf dem Campingplatz haben wir begonnen unsere Sachen zu packen. Zum Abendessen gab es nochmal Pizza für alle und zum Schluss haben wir Martin zugehört, wie er „Dust in the Wind“ auf der Gitarre gespielt hat. Da tat es in dem Moment richtig weh, der Gedanke hier weg fahren zu müssen.

Um 1 Uhr nachts haben wir die Mazedonier noch verabschiedet, bevor wir selber alle ins Bett gegangen sind.

Freitag ~ 05.07.2019

Um 5 Uhr mussten wir wieder aufstehen, damit wir alle pünktlich 10 Minuten zu spät um 6h10 im Bus saßen. Laurent und Florien haben uns wieder gefahren. Der Abschied von den Franzosen war schön, aber ich hab danach noch ne Weile im Bus still dagesessen und das sacken lassen müssen, dass wir uns jetzt so lange nicht mehr wieder sehen werden.

In Toulouse waren wir gegen 11 Uhr. Nachdem wir das Gepäck aufgegeben haben, hat mein Rucksack bei den Kontrollen ne Extra Wurst bekommen und ich wurde meiner Sonnencreme entledigt. Aber gut, hier in Berlin brauche ich sie offenbar sowieso nicht…^^
Bis wir ins Flugzeug steigen konnten, hab ich noch ein bisschen am Klavier dort gespielt, war aber selber etwas sauer auf mich, weil ich so lange nicht mehr gespielt habe und mich deswegen nicht mehr an die Lieder erinnern konnte :/
Das Flugzeug kam dann auch wieder ne halbe Stunde zu spät. Während des Fluges hab ich viel geschlafen. Man konnte aber auch deutlich sehen, wo Deutschland beginnt und Frankreich endet…An der Masse und der Dichte der Wolken…

In Berlin angekommen gegen 16 Uhr war es super kalt. Mit etwas Rennen konnten wir sogar noch den Regio um 17 Uhr erwischen, von wo aus ich direkt zu Oma nach Hause gefahren bin und das freundlichste Möbelstück, dass mich angeschaut hat, die Couch Zuhause war 😀

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