Marokko

Ich möchte euch mitnehmen auf eine Reise, die mir seit 6 Jahren zum Abitur versprochen wurde und nun, angeregt durch Oma Petra, die unbedingt für einen Tag nach Marokko fliegen wollte um den André Heller Garten zu besuchen, endlich stattgefunden hat. Lehnt euch zurück und taucht ein mit mir in dieses wundervolle Land und die wundervollen Erfahrungen und Erlebnisse, die es für mich bereit hielt!


Tag 1

Es ist halb 9 als der Wecker klingelt. Ich schicke Sandro zum Bäcker und erledige noch einige Sachen in der Wohnung: Frösche füttern, aufräumen, abwaschen und ein paar letzte Dinge im Koffer verstauen. Sandro kommt mit zwei Ü-Eiern wieder und ich darf mir blind eins aussuchen. Ich denke mir, dass es hoffentlich keine Prinzessin ist. Ist es nicht. Es ist Merida. Rothaarig, wilder Blick mit Pfeil und Bogen in der Hand. Finde ich sehr passend und stelle sie mir auf den Schreibtisch.
Um 11.30 verlassen wir das Haus. Extra etwas früher, damit ich mir noch eine neue Mund-Nasen-Maske kaufen kann, die in der Apotheke erstaunlich günstig sind. Wie geplant steigen wir um 12.01 Uhr in die S-Bahn Richtung Hauptbahnhof. Ich bin etwas aufgeregt, vor allem weil Oma kein Telefon dabei hat und mir im Notfall nicht Bescheid sagen kann, falls was ist. Im Hauptbahnhof auf dem richtigen Gleis angekommen, sehe ich Oma bereits von weitem. Der Zug fährt 20 Minuten vor der Abfahrt auf dem Gleis ein. Ich schicke Oma mit ihrem großen Koffer schon mal vor zu unseren Plätzen. Ich stehe mit Sandro am Gleis und möchte ihn am liebsten mitnehmen. Wir umarmen uns und küssen uns nochmal zum Abschied und ich folge Oma zu unseren Plätzen. Als ich aus dem Fenster schaue, ist Sandro nicht mehr da. Ich bin einerseits etwas enttäuscht, andererseits wird es die tatsächliche Abfahrt des Zuges und der offensichtlichen Trennung von Sandro für mich vereinfachen. Um 13.04 Uhr verlässt der Zug superpünktlich den Bahnhof. Es ist eine 4h Fahrt von Berlin Hbf bis Frankfurt am Main Hbf. In der Zeit quatsche ich mit Oma, telefoniere mit Lavinia und verzweifel an einem mittelschweren Sudoku, das am Ende total unübersichtlich aussieht, weil ich mir in jedes Kästchen jeder mögliche Belegung klein reinschreibe.
In Frankfurt am Main angekommen, wechseln wir schnell das Gleis, wo Mama mit allem Gepäck von ihr und Elia wartet. Oma ist so konzentriert auf die Tafel der hier abfahrenden Züge, dass sie die Mama erst gar nicht wahrnimmt. Fritzi kommt von seiner Zigaretten- und Klopause mit dem Satz: „Es ist nicht gerade die Sternstunde meiner Orientation…“ zurück. Ja, genau wie mit deiner Grammatik. Wir drücken uns, stellen uns auf unser Gleis, machen ein erstes „Wir haben uns gefunden“-Selfie und steigen in den 20 Minuten verspäteten Zug ein, der uns zum Flughafen von Frankfurt am Main bringt.
Dort angekommen, laufen wir erst einmal durch riesige Hallen, verspeisen Mamas Stullen und beraten, was wir als nächstes tun sollten. Erstmal zum Check-In. Hier ist alles automatisiert. Wir scannen unsere Flugtickets ein und bekommen einen Klebestreifen für den Koffer ausgestellt, den wir dann am Schalter abgeben, damit diese zum richtigen Flugzeug weitergeleitet werden können. Weiter geht es zu den Kontrollen, wovor ich extra noch meine Trinkflasche geleert habe. Wir stehen doch ziemlich lange an und als wir endlich dran sind, ist es doch wieder überraschend, was es alles zu beachten gilt. Der Mann hinter uns wird schon nervös und fragt genervt, was denn bei uns so lange dauern kann. Mama weist ihn freundlich darauf hin, dass hier auch mal jemand zum ersten Mal in seinem Leben mit einem Flugzeug fliegt und nicht sofort alles wissen kann was es zu beachten gibt. Wir gehen durch diesen 3 Sekunden Scanner. Ich hatte mir Gedanken gemacht, dass vielleicht meine Bändchen mit ihren Verschlüssen biepen könnten, aber alles gut. Mama muss sich allerdings ihrer Schuhe entledigen und kommt mit diesen Fußtüten zurück. Auch die Passkontrollen wurden technologisiert: Der Reisepass wird eingescannt und anschließend von einem Computer mit Kamera überprüft. Wir haben alle Kontrollen passiert. Nun haben wir Hunger und suchen nach einer guten Gelegenheit was zu essen. Wir setzen uns in das Goethe-Restaurant und bestellen Spaghetties, Salat, Burger und Kartoffelsalat. Meine Spaghettis sind eher so naja… Als wir zu unserem Gate laufen, telefoniere ich kurz mit Sandro. Schlechte Idee, denn jetzt vermisse ich ihn erst recht. Nur schreiben ist nicht so schlimm, aber die Stimme zu hören und zu wissen, dass wir uns 2 Wochen am Stück nicht sehen werden, schon. Aber für uns geht es direkt zum Boarding. Wir sitzen pünktlich im Flugzeug um 22 Uhr zum Start, aber es geht einfach nicht los. Plötzlich ist etwas Wuhling weiter hinten und Oma erzählt, dass ein Mann auf dem Boden liegt und mit Kabelbindern gefesselt wird. Mir ist der Mann schon vorher aufgefallen mit seinen Badelatschen… Ich bekomme kurz Angst, dass Fliegen ne blöde Idee war und überlege, was schon alles furchtbares passiert ist. Mama sagt, dass es wahrscheinlich ein blinder Passagier ist, der nur nach Hause nach Marokko möchte, sich den Flug nicht leisten kann und jetzt auch nur aufgefallen ist, weil er auf dem falschen Platz saß. Die Polizei steht mit ihrem Wagen neben dem Flugzeug und holt ihn ab. Mit einer Stunde Verspätung fliegen wir um 23 Uhr los. Ich sitze am Fenster, da Elia ständig aufs Klo muss und mit seinen langen Beinen am Gang wahrscheinlich besser sitzen kann. Ich beobachte Marokko von oben. Ich sehe vereinzelt Lichter am Boden, wie Funken in der Glut sieht es aus. Die meiste Zeit schlafe ich, obwohl es super unbequem ist.
Um 2.35 Uhr landen wir in Casablanca. Wir steigen aus und stellen uns erneut in die Schlange der Passkontrollen. Es dauert wieder eine Weile bis wir dran sind. Auf dem Weg zum Koffer-Abholungs-Band bleibt Oma bei einem „orange“-Stand stehen und kauft sich eine SIM-Karte mit 5h Telefonie mit einer marokkanischen Nummer. Das dauerte ewig. In der Zeit hat Elia alle Koffer vom Band gehievt und ist schon Richtung Ausgang gehechtet. Ich sammel Oma ein und wir folgen Mama und Fritzi nach draußen. Es hieß, uns würde jemand abholen. Es ist dunkel, aber warm und es stehen erstaunlich viele Menschen auf dem Platz vor dem Flughafen. Ich bin mir nicht sicher, wie wir unseren Fahrer finden sollen. Bei einem Blick auf die Uhr, ist es plötzlich wieder 2.15 Uhr. Also doch eine Stunde Zeitverschiebung. Mama und Elia haben unseren Guide gefunden. Er sucht uns auf seiner Liste, die nicht besonders lang sein kann, da wir die einzigen Gäste auf dieser Reise sind und sein werden. Wir warten auf den Fahrer, der noch im Bus auf dem Parkplatz ein Nickerchen gemacht hat. Wir steigen ein und fahren durch das nächtliche Casablanca zum Hotel, bestimmt ne halbe Stunde lang. Dort angekommen sind wir völlig überrascht darüber. Ein Mann nimmt uns unser Gepäck ab und bringt sie in unsere Zimmer. Ich schlafe mit Mama zusammen in einem und Elia mit Oma. So sind die beiden schnarchenden zusammen und jeder mit jemandem, mit dem sie sonst nicht so viel Zeit miteinander haben. Ich schreibe Sandro, dass wir gut angekommen sind und falle in das Bett.


Tag 2

Der Wecker klingelt direkt wieder um 7.30 Uhr, ich ziehe mich an und verlaufe mich mit Mama erstmal im Treppenhaus, von dem es zwei parallel gibt…^^ Der Frühstücksraum ist in einer grünlichen Farbgebung, links wird einem auf Wunsch Omlett zubereitet und rechts gibt es ein Büffee mit interessanter Auswahl. Es gibt warme Speisen, die ich nicht kenne und verschiedene Säfte wie Orange, rote Beete, Physalis und was grünes, was wir nicht eindeutig zuordnen können. Schmeckt aber interessant.. Unser Guide teilt mit uns sein Gerstenbrot, welches mir überraschend gut schmeckt. Nach dem Frühstück gehen wir unsere Koffer holen, wobei Elia vorher noch mit einer Fußballmannschaft, die ebenfalls im Hotel wohnt, ein Geburtstagslied gesungen hat, weil er spontan eingeladen wurde mitzusingen.
Mit dem Bus fahren wir ca. 10 Minuten durch Casablanca zur Moschee Hassan II.
Sie ist so riesen groß, mit einem riesigen Platz, der leer wirkte, obwohl einige Menschen darüber gelaufen sind. Die Moschee wirkt dennoch so weich und schlicht mit ihren wunderschönen grün-bunten Mosaiken, viele Bögen und gigantische Tore. Dahinter erstreckt sich der Atlantik. Bevor wir zum Bus zurück gehen, müssen Mama und ich nochmal auf die Toilette, die sich unter der Moschee befindet. Auch wieder so groß geräumige beflieste Wände, Böden und Decken; die Toilette ist lediglich ein Loch im Boden, aber zum Hände-waschen kann man sich hinsetzen und schwatzen.

Mit dem Bus geht es dann weiter zum Königshaus und Parlament. Wir dürfen uns nur auf einen bestimmten Abstand hin nähern und es wird sehr gut bewacht von der Polizei, der Armee, verschiedener Geheimdienste und Pagen. Jeder trägt eine andere Uniform.
Das Mausoleum erinnert mich an Game of Thrones, als der Zauberer Danaerys Drachen in einem Turm eingesperrt hat. Genau dieser Turm stand da. Oder wie mir bis zum Schluss das Reise klar wurde, wie eine Moschee. Wir machen eine kleine Pause und ich suche mit Mama und Fritzi ein kleine Café. Nach etwas hin und her setzen wir uns auch in das gefundene Café, wir waren uns nur vorher etwas unsicher, weil in manchen Cafés keine Frauen sitzen dürfen. Wir bestellen uns Pfefferminztee und Elia isst ein Croissant. dann beeilen wir uns zurück zum Bus, da wir schon ziemlich spät dran sind. Wir fahren 1h weiter nach Rabat – die Hauptstadt Marokkos. Casablanca hat ca. 3 Millionen Einwohner und gehört zu den 3 größten Städten Afrikas. In Rabat angekommen machen wir eine 30 minütige Pause um Geld zu holen, Wein zu kaufen und um uns ein wenig die Beine zu vertreten. Oma kann mit ihrer Karte leider nichts abheben. Sie geht schon zum Auto zurück, während Mama und ich noch einen Lebensmittelladen suchen. Der hat aber leider schon geschlossen. Finde Oma an einem kleinen Café-Tischchen mit zwei Tassen Kaffee sitzen. Ich frage sie, mit wem sie denn da zusammen sitzt. Ihre Antwort: „Dem Führer!“ ….musste sehr lachen^^


Als Fritzi wieder zurück kommt steigen wir alle wieder in den Bus. Wir fahren durch Dörfer, Landschaften und landen letztendlich auf einer völlig verlassenen Straße, die auch immer abenteuerlicher und unbefahrbarer wird. Unser Fahrer Mohammed entscheidet, dass das nicht der richtige Weg ist und wir umdrehen. Wir machen noch eine kleine Pullerpause und ich bestaune die ziegelrote Erde, von der Mama immer aus Afrika und Australien berichtet hat. Als wir durch eine Kleinstadt fahren, komme ich mir ein wenig vor wie im Zoo und es ist mir super unangenehm, dass wir die Menschen aus unserem Kleinbus heraus beobachten. Ich fühle mich richtig fremd. Versuche lieber das Sudoku zu knacken und höre Musik. Um 19.30 Uhr müssen wir tanken und machen einen kleinen Stop in einem Café, welches der Fahrer empfohlen hatte. In unserem heutigen Zielort kommen wir um 22.30 Uhr an: Chefchaouen. Wir fahren um eine Kurve rum und sehen ein Lichtermeer an einem Berghang. Wir parken in der Nähe der Altstadt und manövrieren unser Gepäck durch die Menschen zu unserem Hotel. Es ist dunkel und trotzdem noch viel los auf dem Marktplatz, die kleinen Stände haben alle noch geöffnet und es wird Musik gespielt und getanzt. Elia ist direkt wieder wach und will schnell los, die Stadt erkunden. Unser Hotel ist unglaublich süß. Wir werden mit Tee und Küchlein empfangen und alles hier erinnert mich an den kleinen Muck. Bogentüren (wir passen nur seitlich durch), schaut euch einfach die Fotos an! Wir beziehen unsere Zimmer und gehen nochmal zu Oma und Fritzi rüber um ein Glas Wein zu trinken. Oma ist müde und legt sich hin, während wir drei nochmal losziehen uns schauen, ob wir noch was zum Abendbrot finden. Auf dem Marktplatz spricht uns ein junger Mann an und empfielt uns ein kleines Restaurant, dass dann wahrscheinlich nur wegen uns noch offen blieb, weil mittlerweile war nicht mehr so viel los und die Stände um uns herum abbauen und aufräumen.
Während Mama und ich vegetarischen Couscous, Quesedillas und Ingwer-Zitronen-Saft bestellen und essen, ist Elia mit dem Typen verschwunden. Zum Essen kommt er zurück und erzählt, dass er einen Schmuckhändler gefunden hat, der tolle Ringe für ihn hinterlegt hat. Außerdem wollte der Typ, der uns angesprochen hat, ihm Gras verkaufen. Nach dem Essen gehen Mama und ich zurück ins Hotel und nochmal zu Oma. Da Elia keinen Schlüssel hat, sollen wir für ihn in Omas Zimmer die Tür einen Spalt offen und das Licht im Bad an lassen. Durch das Licht ist es leider zu offensichtlich, dass die Tür nicht richtig zu ist und wir machen es aus. Zähne putzen, Füße waschen, Wecker stellen und um 1.30 Uhr fallen wir ins Bett während Elia noch ein Weilchen auf die Dachterasse sitzt.


Tag 3

Wir schlafen bis 8.30 Uhr und gehen zum Frühstück im Keller des Hauses. Es gibt wieder dieses leckere Gebäck und marokkanische Crepes, die ich noch aus Salon de Provence kenne und ich habe wahrscheinlich die gesamten 2 Wochen immer nur diese Crepes zum Frühstück gegessen, roh, weil es ansonsten nur noch Marmelade dazu gibt. Aber auch nackig schmecken die echt toll.
Als Fritzi zum Frühstück dazu kommt, erzählt er uns von seiner LEISEN Rückkehr ins Zimmer zu Oma:
Die Tür war extra einen Spalt breit offen und er hat versucht sie so leise wie möglich zu öffnen. Ging nicht, die Tür brauchte einen kleinen Tritt, weil sie nicht ganz akkurat auf den Boden abgestimmt war. Die Tür ging also mit einem viel zu lauten Geräusch auf, wenn man leise sein möchte. Dann tastete er sich die Wand lang zum Bett. Es war stock dunkel. Plötzlich war es hell erleuchtet und er drückte wie wild alle Lichtschalter, um alles Licht wieder auszuschalten, und erleuchtet so die verschiedenen Lampen nochmal einzeln, bis es wieder dunkel ist. Oma schnarcht trotzdem weiter. Er will noch einen großen Schritt machen zum Bett und tritt voll in die laut knisternde Chipstüte rein. Dann lag er im Bett.
Wir mussten so sehr lachen! Oma hatte davon tatsächlich nichts mitbekommen.

Um 9.30 Uhr treffen wir uns mit unserem Guide Abdesselam für die Stadtführung durch Chefchaouen. Er führt uns durch viele kleine Gassen, alle in blau gestrichen: der Boden, die Wände, die Fensterläden und Türen, sogar ganze Treppen sind blau. Er erklärt uns, dass die Stadt nur um Touristen anzulocken, blau angestrichen wurde…was soll ich sagen, es klappt und es sieht wirklich toll aus. Obwohl man sich das nicht immer anschauen kann^^ Ich fotografiere viele blaue Winkel, aber auch die tolle Aussicht auf die andere Seite, Mama und Fritzi zusammen und einige Straßenhunde und Straßenkatzen. Wir sehen sehr viele davon hier. Außerdem führt Abdesselem uns zu einer Quelle inmitten der Gassen, dessen Wasser vor allem Frauen im Wochenbett gereicht wird. Wir probieren alle einen Schluck. Dann geht der Weg bergab und immer weiter Richtung Tal. Oma ist schon ziemlich erschöpft, die Ankündigung war, dass die Stadtführung nur eine Stunde dauert und nun sind wir schon deutlich länger unterwegs. Von einem Straßenhändler probieren wir eine grüne Frucht: Kaktusfrucht. Ich bin skeptisch, ob ich die wirklich probieren soll, aber als Fritzi sagt, die schmeckt gut, koste ich auch davon. Und ja, er hat recht, schmeckt interessant und süß. Sie ist sehr wässrig und hat harte Kerne und sie ist grün. Schmeckt sehr lecker! Dann folgen wir einer kleinen Treppe nach unten entlang eines Flusses und setzen uns in ein kleines Café. Abdesselam hat Probleme mit seinem E-Mail Postfach und versucht diese zu klären, während wir einen Minztee im Schatten trinken und in die Naturidylle hinausschauen. Der Ausruf zum Gebet erschreckt mich dabei jedes Mal von neuem, vor allem da es zu erst nicht danach klingt. Aber ich hab leider vergessen aufzuschreiben, woran ich immer zuerst gedacht habe in diesem Moment, was es ist…

Nach unserem Päuschen machen wir uns auf den Weg zurück zu unserem Hotel und dem Marktplatz. Wir trennen uns von unserem Guide und wollen noch im empfohlenen Restaurant „Chez Hassan“ essen gehen. Allerdings ist Oma sauer auf Elia und weigert sich mit uns Essen zu gehen, weil dieser nur ein Tanktop trägt und nichts „Richtiges“. Da sie auf keinen gemeinsamen Nenner kommen , geht Oma kurzerhand und lässt uns allein. Wir drei bestellen uns dann zwei mal die Tagijne Zitronenhühnchen und ich esse Tagijne Kofta. Oh das war so lecker! Das Lokal erinnert mich übrigens an alte Filme, wenn Menschen in fremden Ländern sich in ein Lokal setzen, dass nicht für Touris ist. Wir sitzen in einer gemütlichen Ecke mit dicken Sofas und vielen Kissen, der Tisch ist etwas zu hoch, aber es ist einfach super gemütlich. Als Nachtisch gibt es Caramel Crème und einen weißen Rosenpudding mit Zimt. Ich bin ja sonst nicht so der Pudding-Fan, aber dieser Pudding war der Hammer! Ganz leicht! Und im Nachgang ein zarter Rosengeschmack – ich habe sowas noch nie zuvor gegessen! Mit dem Zimt – der Wahnsinn!!
Wir sind gesättigt und kaufen spontan schon mal ein paar Postkarten. Für Briefmarken müssen wir ein Stück weiter laufen zum Tabakladen. Auf dem Weg dahin verlieren wie Elia, weil der sich schon wieder mit diesem Typen unterhalten muss. Jedes Mal, wenn wir über den Marktplatz laufen, quatscht dieser Kerl uns an. Mir geht das auf den Sack und ich fühle mich nicht wohl in dessen Nähe und ich will ihm auch nicht erzählen, wie mein Tag war. Auf dem Rückweg zum Hotel können wir Elia nicht mehr sehen, Oma ist auch nicht da, also gehen wir in unser Zimmer und ruhen uns aus. Ich schlafe auch ein und werde wieder wach, als Mama um 19.30 Uhr von außen das Zimmer abschließt. Sie wollte sich die Dachterasse anschauen und ich entschließe mich, mitzugehen. Wir haben nur knapp den Sonnenuntergang verpasst, aber die Aussicht ist wahnsinnig schön! Die Lichter der Stadt, am Horizont die Berge und dahinter der Schein der untergehenden Sonne. Außerdem ist es ganz schön frisch geworden. Wir entscheiden uns, noch einen abendlichen Tee trinken zu gehen, als Elia wieder ins Hotel kommt. Mama ist sehr erleichtert, wir haben uns schon das schlimmste ausgemalt. Er erzählt uns, dass Oma die ganze Zeit in der Lobby saß und ein Buch liest. Ich ziehe mich schnell um und gehe mit Fritzi nochmal zum Marktplatz und wir setzen uns in ein kleines Lokal, essen Crêpes und trinken Tee. Um 22 Uhr gehen wir zurück ins Hotel. Elia auf die Dachterasse und ich zu Oma und Mama ins Zimmer, die zusammen noch Wein trinken. Ich beende den Tag mit duschen, Haare waschen, packen, Sandro schreiben und schläfrig in das Bett zu fallen.


Tag 4

Wir stehen früh auf und frühstücken um 8 Uhr, da wir heute einiges vor haben. Um 8.30 Uhr geht es los.

1. Stopp: die römische Stadt Volubilis
Das sind die Ruinen einer gesamten römischen Stadt, in denen noch die verschiedenen Räume und ihre Funktionen zu erkennen sind: Das Freudenhaus, die Hauptstraße, die Geschäfte, Solarien, unterirdische Wasserkanäle und riesige Badewannen, die zentral im Raum gebaut wurden, die zum Baden und zur Regulierung der Raumtemperatur dienten. Es ist wahnsinn dadurch zu laufen. Ich habe dann im Kopf immer diesen Abspann wie in Dokumentationsfilmen, wo man sieht, wie sich das Leben und die Veränderungen an einem Ort über einen längeren Zeitraum verändern. Eben laufen hier noch Römer rum und am Ende schauen sich Touristen ihre Ruinen an. Dazu macht Fritzi die passende Bemerkung: „Woran erkennt man die deutschen Touristen? -Sie tragen alle einen Hut.“
Elia findet während unserer Besichtigung einen Palmenwedel, den er am liebsten mitnehmen würde. Aber er trägt ihn voller Stolz so lange, wie er kann^^


2. Stopp: Die Heilige Stadt Moulay Idriss
Diese Stadt konnten wir schon von Volubilis aus sehr gut sehen, wie sie zwischen den Bergen klemmt. Abdesselam zeigt
uns die Moschee, die mit einem Balken versehen ist. Moscheen dürfen nur von Gläubigen des Islams betreten werden und
Eselskarren dürfen natürlich auch nicht durchfahren. Deshalb der Balken. Danach sitzen wir in einem Grilllokal am
traßenrand und Elia hat uns mehrere Platten Fleisch bestellt. Mir persönlich schmecht das Kofta am besten.

3. Stopp: Meknez
Wegen der Sonne trage ich meinen Schal ähnlich wie ein Kopftuch und kann so Kopf uund Schultern gleichzeitig bedecken.
Finde das sehr praktisch und trotzdem angenehm luftig. IN Meknez schauen wir uns das Versaille von Marokko an,
allerdings nur von außen, da es heute geschlossen hat. Der Palast hat riesige Getreidesilos und Pferdeställe, sowie ein
gigantisches Wasserbecken vor der Tür, das vor ein paar Jahren noch mit Wasser gefüllt gewesen ist, nun aber leer und
ausgetrocknet ist.
Anschließend bringt uns der Bus zum Mausoleum des Moulay Idriss, dass komplett mit Mosaik gestaltet ist. Das sieht
immer wieder so krass aus. Dann legen wir eine kleine Tee-Pause ein auf einem großen Platz und ich beobachte die
Straßenhunde und versuche sie mit meiner Kamera auf einem Foto einzufangen. Bevor wir wieder in den Bus steigen,
wollen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die Gassen der Medina machen. Abdesselam führt uns zu einem sehr gut
verstecktem Geschäft, in dem kleine marokkanische Gebäckspezialitäten probieren und kaufen, die normalerweise zum
Minztee gereicht werden: Sie sind mit Mandeln und Teig und eine Sorte ist sehr klebrig von außen, aber süß und mit
Marzipan – also ich stehe drauf! Wegen der Form werden sie Gazellenhorn genannt.

4. Stopp: Fés
Ich sehe nur noch den Sonnenuntergang durch das Busfenster. Aber es ist dennoch ein toller Sonnenuntergang! Wir steigen aus dem Bus aus und rollen unsere Koffer die Gassen entlang zum Hotel. Es ist nur eine einfache Tür, aber das was sich dahinter versteckt, ist wieder so toll! Wir werden mit Tee empfangen und beziehen sogleich unsere Zimmer in der ersten Etage. Große Betten, große Bäder, Fenster zum Innenhof, aber alles ist ziemlich hellhörig dabei. Elia will noch was kleines Essen gehen und der junge Mann vom Hotelpersonal bringt uns zu einem Lokal in der Nähe, wo genau ein Tisch gedeckt ist. Oma hat sich schon ins Bett gelegt. Elia ist schlecht gelaunt, weil das nicht das ist, wie er sich das vorgestellt hat. Er wollte nicht hier sitzen und was essen, sondern durch die Straßen laufen, sich alles anschauen und sich dann was zu Essen auf die Hand holen. Also isst er nur sein Essen mit uns und geht dann schon vor uns los. Wir werden von dem jungen Mann namens Bader zurück zum Hotel begleitet. Wir holen die Oma ab und setzen uns mit einer Flasche Wein auf die Dachterasse und reden viel über verschiedene und vergangene Situationen mit Papa, Opa, Scheidungen und anderen Familiengeschichten, wobei es mega interessant ist, die Geschichten aus anderen Blickwinkeln und Wahrnehmungen zu hören.
Fritzi kommt dann auch aus der Stadt wieder und erzählt uns ne tolle Story von nem Typen den er kennengelernt hat, der ihn auf seinem Eselskarren mitgenommen hat. Zu unser aller Überraschung willigt Oma ein, mit ihm noch einen Joint zusammen zu rauchen, bevor wir alle ins Bett gehen.


Tag 5

Nach dem Frühstück um 8 Uhr geht es mit Abdesselam und dem Bus los auf einen Berg gegenüber der Stadt. Dort ist eine Freiluftmoschee und man hat einen fantastischen Ausblick auf die Stadt Fés. Fritzi ist vorgelaufen und wird direkt von den Wildhunden dort angebellt, die da scheinbar aufpassen. Neben der Moschee ist ein riesiger Friedhof, der sich weit erstreckt, weil im Islam ein Grab für immer bestehen bleibt und keine Verjährungsfrist hat, wie hier. Ich habe einige tolle Fotos von Mama und Fritzi gemacht. Anschließend führt Abdesselam uns in die Innenstadt zu den 7 Toren, die einst ein Prinz zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. 7 Tore für die 7 Säulen des Islams. Dann gehts auf zum Blauen Tor, das von der Innenseite grün ist. Wir laufen durch den Markt und die Gassen und es gibt so unglaublich viel zu riechen!
Wir erreichen die Universität von Fés mit der einzigen Wasseruhr weltweit. Allerdings ist der Erfinder gestorben und niemand weiß bzw versteht wie die Mechanik und Funktionsweise der Wasseruhr läuft, weshalb die Uhr nicht geht und sie auch nicht nachgebaut werden kann. Gegen 12 Uhr ist Elia dann so schlecht, dass Abdesselam uns in das älteste Restaurant von Fés lotst, wo wir uns auf der Dachterasse nieder lassen. Leider riecht es gelegentlich, wenn der Wind aus einer bestimmten Richtung kommt, nach vergammelten Innereien oder so. Aber davon lassen wir uns nicht unser Essen verderben. Mama hat ein super interessantes Gericht bestellt: Innen Lamm Fleischfüllung, außen Blätterteig und oben drauf Zimt&Zucker – das schmeckt so unfassbar genial lecker!
Zum Schluss geht die Stadttour noch zu einem Weberladen, wo uns der Besitzer erklärt, wie sie weben welche Materialien sie verwenden, wie man einen Turban bindet und Mama und Fritzi haben sich eine Tischdecke und ein Turbantuch in Blau und tollen Kombinationen gekauft. Zurück im Hotel schlafe ich erstmal 2h und telefoniere mit Sandro.
Am Abend ziehen Mama, Elia und ich nochmal los Richtung Medina. Auf dem Weg treffen wir Elias Kumpel mit dem Eselskarren. Er besteht darauf, dass wir aufsteigen und er uns bis zum blauen Tor bringt. Mama muss die ganze Zeit lachen und so wie die Leute um uns herum schauen, scheinen sie sehr amüsant über die Wagenladung, die der Typ – der gefühlt auch jeden kennt – hat. Am Blauen Tor angekommen, verlangt er ein Trinkgeld von 10€ für die 5 Minutenfahrt. Ich bedanke mich auch noch beim Esel und zwischendurch stellt sich noch eine Frau zu uns, damit ihre Freundin ein Foto von uns dreien macht^^ Wir laufen durch die Handelsstraße, Elia kauft sich eine neue Umhängetasche und ich Schuhe – nach langem an und ausziehen und dem Versuch zu gehen. Dann quatscht uns schon wieder ein Typ auf der Straße an und führt uns durch das Gassenlabyrinth von Fés zu seinem Restaurant. Es ist auf einem süßen kleinen Platz und ein anderes Paar sitzt auch draußen an einem Tisch. Außerdem ist es ziemlich teuer. Elia ist der einzige, der was bestellt. Ich will eigentlich nur zurück zum Hotel. Nach dem Essen ist es kalt und dunkel. Auf dem Weg zurück zum Blauen Tor wird Elia von einer Gruppe Jugendlicher angesprochen, ob er Hasch kaufen will. Mama schreit zwei Schritte hinter ihm laut „No!“, worauf die Gruppe den einen Kerl zurück zieht und rufen „Don´t ask him, this is his mother!!“ und sich verkrümmelt haben. Vom Blauen Tor aus finden wir den Weg zurück zum Hotel ganz gut. Im Hotel duschen, Tagebuch schreiben, Koffer packen und zufrieden schlafen gehen.

Tag 6

Um 7.30 Uhr geht der Tag los. Um 8 Uhr gibt es Frühstück. Oma hat verschlafen wegen einer Fehleinstellung in ihrem Wecker. 8.30 Uhr sitzen wir alle im Bus und nehmen Abschied von Fés. Heute steht die längste Strecke an: 460 km und einige Stopps.

1. Stopp: Ifrane
Eine Schweizer Stadt in Marokko. Beliebtes Skigebiet. Alles ist sehr sauber und die Häuser sehen auch gar nicht typisch marokkanisch aus, sondern sehr europäisch. Ich fotografiere zwei Straßenhunde, die interessiert zu mir kommen, spielen wollen und ein bisschen Liebe abbekommen von mir. Die sind so süß, ich hätte am liebsten einen mitgenommen. Abdesselam hat einen riesen Schwarm Tauben um sich, die ich fotografiert habe, wie er mit seinem Brot und den vielen Vögeln um ihn herum, auf dem Platz steht.

2. Stopp: An der Straße – Affen füttern
Da waren ein paar Menschen die Erdnüsse und anderes verteilen, damit wir Touristen die Affen füttern können. Ist irgendwie putzig, Elia war gar nicht mehr los zubekommen. Er hat sich ne ganze Tüte gekauft, die ihm einer der Affen bei der nächstbesten Gelegenheit einfach geklaut hat^^

3. Stopp: Natürlicher Bergsee
Hier ist es sehr windig und kalt. Wir steigen aus dem Bus aus und laufen einmal zum Ufer des Sees. Außerdem sind hier ein paar Spanier und eine Baustelle, da ein Spanier den Boden gekauft hat und hier ein Hotel hinbauen will. So unnötig! Wie einfach jedes Stück Natur platt gemacht wird bzw bebaut wird. Traurig sowas! Der See ist schon deutlich geschrumpft wegen der Trockenheit.

4. Stopp: Mittagspause
Um 12.30 Uhr machen wir eine Mittagspause in einem Lokal am Straßenrand, vor dem bereits einige andere Tourisbusse parken. Elia bestellt sich Spaghetti Carbonara, die sehr komisch braun aussehen und eher sehr fad schmecken. Keiner von uns will die essen, aber Elia darf von jedem von uns was mitessen.

5. Stopp: Kaffeepause
Mama und ich essen ein Eis und wir gehen alle mal aufs Klo. Außerdem werde ich von einem Mann vom Personal angesprochen, der sich mir sich selbst vorstellt, inklusibe seiner Absichten bezüglich einer zukünftigen Heirat. Dann fragt er noch nach meiner Nummer und ich muss einfach nur laut lachen! Ich erkläre ihm, dass nur weil ich nicht verheiratet bin, ich dennoch auch nicht single bin.

6. Stopp: Fotopause
Bei einer 200km langen Palmenoase! In einer Schlucht! Es sieht so toll aus! Ich liebe sie!

Danach verändert sich die Landschaft sehr deutlich. Wir fahren durch Berge, Steinformationen, Wald, Steppe, Palmen, Täler, Steinwüste und Flachland.

Zum Sonnenuntergang kann ich schon am Horizont die Dünen der Sahara sehen und werde direkt aufgeregter. Unser Ziel ist ein Hotel in Merzouga, direkt am Fuße der Dünen, das aussieht wie ein Wüstenpalast. Unsere Zimmer sind so herrschaftlich und die Bäder so toll gefliest, ich will auch mal so ne große runde Dusche haben!
Das Abendbrot wird uns draußen am Pool serviert. Das Personal trägt ein tolles blaues Gewand und einen riesigen Turban. Die Gewürzpalette des Essens ist nicht so mein Geschmack, aber ich freue mich aufs Obst. Während des Essens freundet Elia sich mit den hauseigenen Katzen an und ist ganz verzückt von der Babykatze. Ich lerne währenddessen des Palasthund Paolo kennen und knuddel mit ihm zusammen, während ich meinen Tee trinke. Oma und Mama gehen dann schon schlafen und wir drei bleiben noch ein bisschen am Pool sitzen. Ich verabschiede mich dann von Fritzi, hole meine Kamera aus dem Zimmer und gehe nochmal nach oben auf die Dachterasse und versuche die Kameraeinstellung so anzupassen, damit ich gut die Sterne fotografieren kann. Außerdem unterhalte ich mich mit einem anderen deutschen Besucher, tanze im Sternenlicht zu der Musik aus meinen Kopfhörern und komme mit einem spanischen Guide ins Gespräch. Um halb 1 gehe ich dann auch endlich ins Bett.


Tag 7

Es ist Elias 19. Geburtstag. Wir lassen ihn bis 9 Uhr ausschlafen. Zum Frühstück gibt es sogar Kuchen, aber auch hier ist die Gewürzpalette nicht so meins. Nachdem wir beide noch ein bisschen nach dem Frühstück am Pool saßen, hole ich Mama ab und wir machen uns auf den Weg zum Vormittagsprogramm. Vorher sind wir durch Merzouga und seinen Markt gefahren und haben uns die Gärten angeschaut. Dann ging es in ein kleines Dorf in der Nähe, wo wir von einer einheimschen Musiktruppe ein Konzert auf Trommeln, Kastanietten und einem Gitarrenähnlichem Instrument bekommen haben. Dazu haben wir traditionell getanzt und es gab einmal ein „Happy Birthday!“-Ständchen auf arabisch. Auf dem Rückweg halten wir bei einem Automuseum, die ein arabischer Prinz gesammelt hat und es sind so ulkige Auto dabei, die entweder total simpel und klassisch alt aussehen, oder sehr futuristisch, wie der „Doppel-Jeap“ und der „Half-Jeap“, oder wie ein Boot, das wohl auch tatsächlich auf dem Wasser fahren kann, oder wie ein Fahrding aus Star Trek.

Zurück im Hotel habe ich mich mit Mama hingelegt und knapp 2h geschlafen. Danach gab es Mittag, der Salat schmeckt mir wieder nicht, aber die Tagijne mit Ei und Kofta war super lecker. Danach hatten wir noch ca 1,5h Zeit zum ausruhen und Sachen packen für unseren Ausflug in die Sahara. Außerdem fing es dann auch noch zu regnen und es ist ziemlich windig heute. Ich habe meine Rucksack gepackt und mich relativ warm angezogen und mir mein Tuch als Turban um den Kopf gewickelt.
Um 17 Uhr treffen wir uns an der Rezeption und laufen noch ein Stück zu den Dromedaren. Da liegt sie, unsere Karavane. Mama steigt als erste auf das letzte Dromedar auf. Dann ich auf das vorletzte. Das ist eine sehr wacklige Angelegenheit. Der Höcker ist gepolstert mit Decken und es gibt ein Gestell zum Festhalten. Der Rucksack hängt auch an dem Gestell und vorne runter. Das Dromedar streckt beim aufstehen erst die Hinterbeine aus, weshalb man ziemlich weit nach vorne kippt und stellt dann die Vorderbeine gerade hin. Vor mir sitzt Elia und Oma ganz vorne auf dem Dromedar. Abdesselam und unser „Kamel“-Treiber laufen. Unsere Karavane setzt sich in Bewegung Richtung Sahara. Noch bevor wir die Wüste erreichen, fängt es wieder an zu regnen. Natürlich habe ich keine Regenjacke mit, wer hätte denn ahnen können, dass ich ausgerechnet in der Wüste eine brauchen werde. Zusammen mit dem Wind ist es doch sehr frisch. Oma reicht mir eine ihrer Regenjacken hinter.
Die Wüste sieht aus wie gemalt. Wunderschön! Oker, Rot, Dunkelgelb. Ich bin verliebt! Das Reiten ist angenehm. Etwas wackelig und bergab muss ich mich gut festhalten. Aber ich habe auch das Gefühl, dass mein Dromedar tapsig unterwegs ist, als würde es sich die Dünen bergab immer etwas fallen lassen. Außerdem läuft es immer seitlich hinter Elia, als würde es gerne nach vorne sehen wollen und kann so immer mal eine Streicheleinheit von Elia abgreifen.

Nach einer Stunde machen wir eine Pause auf einer Düne. Wegen des Regens können wir leider den Sonnenuntergang nicht mehr sehen. Ich kraule meinem Dromedar den Kopf und es scheint, als würde es ihm gut gefallen, denn der Kopf sinkt immer tiefer, als würde er sich diesen entspannt ablegen und genießen wollen. Dann geht es weiter. Es wird immer dunkler. Es ist absolut still. Alles was wir hören können ist der Wind. Auch der Regen hört auf und der Wind trocknet meine Hose wieder. Es ist so wunderschön aus, die okerfarbenen Dünen vor dem dunkelblauen Himmel. Alles wirkt so surreal. Die Dromedare stapfen vor sich hin. Ich bin glücklich. Abdesselam stolpert durch den Sand. Er sieht ein Camp und freut sich. Es ist nicht unser Camp. Wir erreichen in tiefster Dunkelheit unser Camp. Es leuchten einige Lichter. Wir steigen ab und bedanken und beim Kameltreiber und den Dromedaren. Ich bin ein bisschen aufgeregt. Das Dorf ist leer. Wir werden mit Tee empfangen, es ist 19.45 Uhr. Bis zum Abendbrot haben wir noch eine halbe Stunde Zeit. Während die anderen schon die Zelte beziehen, bleibe ich noch sitzen und trinke Tee, lausche in die Stille, höre Wind und Regen und Wildkatzen. Der Campleiter setzt sich zu mir. Er sieht sehr jung und gut aus und trägt ein blaues Gewand sowie einen Turban aus 12m Tuch. Er heißt Hassan und ist 22 Jahre alt. Wir unterhalten uns über Wetter, Regen, perfektes Wetter in der Wüste: Kein Wind und Sonnenschein. Hassan erklärt mir, dass das hier nur ein Camp für Gäste ist. Die Berberfamilien wohnen in ihren Camps woanders, trotzdem ist das Camp hier genau so realitätsgetreu wie die Berbercamps aussehen. Ich bringe meine Sachen in unser Zelt. Von außen ein einfaches Zelt in weiß, von innen riesig, bunt, mit Betten, einer Dusche und einer richtigen Toilette und fließendem Wasser. Ich bin sehr überrascht. Mama und Elia liegen zusammen gekuschelt im Bett. Ich lege mich ans Fußende und versuche etwas Wärme zu bekommen. Klappt nicht, das Bett ist nicht so groß. Ich ziehe die nass-klammen Sachen aus und reibe mich mit einem Handtuch warm und ziehe mir meine anderen trockenen Sachen an. Abendbrot essen wir in einem großen Zelt, wo ein Tisch für uns gedeckt ist. Wildkatzen spielen an den anderen Tischen. Das Essen schmeckt mir sehr gut, allerdings bin ich nach der Vorspeise schon satt. Obst geht auch noch. Abdesselam erzählt Geschichten von sich und seinem Lebensverlauf. Das Personal macht das Licht aus und zündet Kerzen an. Plötzlich kommen alle ins Zelt, singen Happy Birthday und präsentieren eine große Geburtstagstorte aus Pudding. Die Mitarbeiter singen und wir essen Torte, die ich eigentlich wegen des Puddings gar nicht essen will. Und weil ich schon satt bin. Hassan setzt sich nach ihrer musikalischen Gesangseinlage mit seiner Trommel zu uns und wir trommeln ein wenig gemeinsam. Mama, Oma und Abdesselam gehen dann schlafen und wir setzen uns noch mit Hassan nach draußen. Elia raucht. Ein zweiter Hassan kommt hinzu, der 20 Jahre alt ist, und raucht mit Elia mit. Wir reden über Berufe, was wir nach der Schule gemacht und gelernt haben und über Reisen. Der ältere Hassan ist noch nie gereist. Er lernt aber verschiedene Kulturen über die Gäste hier kennen: Die Deutschen essen früh und gehen direkt schlafen. Die Spanier sitzen überall verstreut rum, trinken, spielen, rauchen. Hassan war erst Kamelguide, dann Guide für Quadtouren und ist jetzt Campleiter und arbeitet hier seit 6 Jahren. Sein Hobby ist es bei perfekten Wetter Skorpione suchen zu gehen. Er ist sehr glücklich wenn es regnet, denn das passiert nur 8-10 Mal im Jahr in der Sahara. Als es kälter wird, werde ich in eine Kameldecke eingekuschelt, die ich um 24 Uhr auch mit ins Bett nehme.


Tag 8

Um 6.30 Uhr klingelt der Wecker. Jemand geht rum, um die Zelte und weckt mit einem „Hallo?“. Wir stehen auf, ziehen uns an und laufen zur Düne. Dort warten wir auf den Sonnenaufgang. Die Sanddünen liegen still und weich vor uns. Wir warten ziemlich lange und schauen entgegen des Sonnenaufgangs auf die Dünen, weil dort müsste die Sonne die Spitzen doch zuerst erleuchten. Aber wider unserer Vermutung passiert das nicht. Die Sonne geht auf, wir schauen ihr gespannt entgegen. Plötzlich geht es ganz schnell und sie scheint uns rötlich entgegen und durchflutet mich mit Energie. Jetzt sehe ich auch, etwa 100m entfernt von unserem Camp, ein echtes Berberdorf. Mit dem Sonnenlicht ist die Aussicht der Wahnsinn. Die Dünen werden warm und weich. Ein paar Wolken hängen am Horizont, doch die Sonne kletttert einfach drüber. Ich hole meine Kamera raus und fotografiere die Landschaft und die anderen mit der Sonne im Hintergrund. Die Fotos sind so schön geworden. Während Oma sich auf den Weg zurück zum Camp macht, möchte Elia unbedingt mal noch eine Düne runter rollen, da wir oft davon erzählt haben, als ich mit Mama und Papa vor 19 Jahren in Namibia waren. Mama testet noch den Boden und Fritzi wirft sich todesmutig auf die Düne. Es gibt ein dumpfes Geräusch und er bleibt am Fuße der Düne liegen. War wohl nicht die beste Idee, schließlich ist der Sand vom Regen richtig fest und Fritzi kommt wieder hoch mit den Worten „Ohne der Zahnpasta und meinem fetten Portmonnaie wäre es wohl etwas weicher gewesen…“ Wir gehen lachend zurück zum Camp und ich lasse nochmal diese Aussicht auf mich wirken und versuche alles so tief wie möglich in mich einzusaugen.

Es gibt Frühstück. Und dazu die besten! und leckersten! und fluffigesten! Pfannkuchen aller Zeiten! Ich esse so viele ich kann davon. Die waren so fluffig löchrig, dass man teilweise hindurch sehen konnte.. Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen wieder zurück in den Rucksack und ich ziehe meine Hose vom Vortag an. Wir verabschieden uns von Hassan und den anderen Campbewohnern und laufen zu unserer Karavane. Bevor wir aufsteigen, grabe ich nach trockenem Sand um diesen in mein kleines leeres Zahnputzpillen-Fläschen abzufüllen: Feinster Saharasand.
Wir steigen auf und gehen den gleichen Weg zurück wie den Weg, den wir gestern gekommen sind. Das konnte ich an gewissen Pflanzen erkennen, die ich schon auf dem Hinweg betastet habe, deren nadelähnlichen Blätter sich sehr holzig und widerstandsfähig angefühlt haben (was ja auch absolut nicht verwundlich ist, bei einem Leben in der Wüste). Die Farben der Dünen: Surreal. Wunderschön. Wie gemalt. Ich hab Lust auch wieder zu malen. Die Dünen haben teilweise eine Maserung wie ein Zebra. Es ist windig, der Sand wird über Sand geweht und es sieht aus, als würden die Dünen dampfen. Ich spüre am inneren Oberschenkel Schmerzen und versuche meine Muskeln anzuspannen. Für meine Körper hoffe ich, dass wir bald da sind und wir absteigen können. Für die Aussicht würde ich gerne für immer hier bleiben.

Im Licht der Sonne sehen die Dünen von der anderen Seite weißlich und cremefarbend aus. Ich habe Unterleibsschmerzen. Ich konzentriere mich auf mein Dromedar und wie es sich bewegt. Versuche mich den Bewegungen anzupassen. Ich mag mein Dromedar und genieße die restliche Zeit. Hoffe aber auch, dass wir bald da sind. Kann nicht mehr sitzen. Nach 2h Ritt kommen wir wieder am Hotel an. Da in der Nähe ist eine Futterstelle für Dromedare. Ich sehe so viele.
Im Hotel angekommen schnappen wir unsere Koffer und steigen in den Bus. Wir nehmen Abschied von Merzouga, dem Wüstenpalast, den Sanddünen, den Dromedaren und fahren los.

1. Stopp: Fossilienwerkstatt
Hier werden uns Fossilien gezeigt, die mehrere 100.000 Jahre alt sind und wie diese zu Möbeln verarbeitet werden. Ich kaufe mir 5 kleine Anhänger und Mama Untersetzer.


Die Landschaft verändert sich von steinigen Bergen zu weitem Land. Es ist warm und wir sehen viele süße Dörfer.

2. Stopp: Mittagessen
Fürs Mittag halten wir in einem kleinen Ort und werden von Abdesselam durch die Gassen der Kashbar zu einem kleinen versteckten und super süßem Restaurant geführt. Beim Essen haben wir einen Blick auf Palmen und die Gärten der Stadt. Ich esse eine vegetarische Pizza. Nach 1h Pause fahren wir weiter.

3. Stopp: Todra Schlucht
Eigentlich haben wir heute nicht mehr die Muße, lange mit dem Auto zu fahren. Es stehen zwei Schluchten auf dem Plan. Für die Todra Schlucht fahren wir insgesamt ca. 30km Umweg. Und laufen dann ein Stück hindurch. Neben uns plätschert die kleine Todra und die 300m hohen Felswände sind glatt und braun.

4. Stopp: Dades Schlucht
Wir schlagen Abdesselam vor, ob wir nicht lieber direkt zum Hotel fahren können, da wir alle ziemlich müde sind und nicht mehr so lange fahren wollen. Außerdem müssen wir für die Dades Schlucht 60km Umweg in Kauf nehmen und was kann an einer Schlucht schon so besonders sein, wir haben doch jetzt eine gesehen. Aber Abdesselam schwört auf die Dades Schlucht und die wunderschöne Landschaft, die man einfach gesehen haben muss. Und dass sie viel schöner ist als die Todra Schlucht. Und da hatte er verdammt nochmal recht. Wir fahren durch diese schlängelige Schlucht, schauen ins Tal, wo uns eine wunderschöne grüne Landschaft Ausblick bietet: ein Fluss, Häuser, Burgen, Ruinen, Kashbar an der Felswan und auf Erhebungen. Wir machen einen kleinen Zwischenstopp bei einer Felsformation, die wegen ihres Aussehen „Affenfinger“ genannt wird. Danach ist unser Ziel das Restaurant in 1700m Höhe, die wir auf sehr platzsparender Straße entlang der Höhe in Schlangenlinien passiere. Oben angekommen kommt mir ein Straßenhund freudig entgegen. Wir schauen uns die Aussicht auf die Schlucht und diesen sehr engen Weg nach oben an. Plötzlich fängt es an zu regnen und in der Ferne bahnt sich ein Gewitter an. Wir kehren ein zum Tee trinken und auf Toilette gehen. Dann lenkt uns unser Fahrer langsam die enge schlängelige Straße nach unten. Es ist nass, sehr steil und die Kurven eng. Man sieht, dass einige wohl schon mal die Kurve nicht bekommen haben und über das kleine Mäuerchen hinaus gestürzt sind. Ich habe mir vorgestellt, was passieren würde, wenn es uns auch so ergeht und mir wird augenblicklich schlecht.
Plötzlich meldet sich Fritzi von hinten: „Falls das unsere letzten Minuten zusammen sind, möchte ich nur allen nochmal sagen, dass ich euch alle sehr lieb habe!! Abdesselam, dich auch!“
Oma: Also ich habe gerade den Fahrer am Liebsten!“
Wir lachen gelöst und der Fahrer bringt uns alle sicher nach unten, wo wir alle erleichtert aufatmen.
Oma: „Aber Fritzi, ich lieb dich auch. Jetzt kann ich es ja verraten. – Aber er hört es nicht…hat seine Ohrdinger wieder drin..“

Danach brauchen wir noch mehr als 1h Fahrt bis zum Hotel. Die Fahrt wird begleitet von Starkregen, Wind, Dunkelheit, Lichtgewitter, Blitzen und Straßen, die teilweise von Flüssen geflutet sind. Irgendwo erwartet uns ein Auto, das uns den Weg zum Hotel vorausfährt über eine Schotterpiste.
Angekommen beziehen wir erstmal unsere Zimmer. Mama und meins ist komplett in Lila, wir haben ein großes Bett und es gibt kein Wlan. Weil Mama nicht mal Netz hat, schicke ich für sie ne SMS mit raus nach Hause. Beim Abendbrot essen geht es Elia nicht gut. Er isst nicht mit uns mit. Es gibt Supper mit Linsen und Kichererbsen, von der ich zwei Schüsseln esse. Danach noch Tagine mit Kartoffeln, die auch sehr lecker war. Elia ist traurig, weil er ohne Wlan nicht mit einer Freundin telefonieren kann, wofür er sich aber verabredet hat. Ich schreibe für ihn eine SMS an sie, damit sie weiß, dass er sich nicht melden konnte. Dann darf er aber mit Omas Telefon telefonieren, weil sie sich ja bei Ankunft am Flughafen einen 5h Tarif Telefonieren gekauft hatte. Er erzählt uns später, dass Oma nach 25 Minuten zu ihm gekommen ist, ihm das Handy weggenommen habe und für ihn mit der Freundin das Telefonat beendet hat. Ich hab ihr gesagt, dass ich das ziemlich gemein finde und unhöflich, worauf sie meinte, dass 25 Minuten ja wohl reichen würden um sich auszutauschen uns außerdem will sie ja auch mal noch mit Mike und Falk und Frieda telefonieren; Elia hätte ja sonst ihre 5h verbraucht einfach so. Schließlich knallt sie mir die Tür zu. Mama erzählt, dass sie da manchmal wie Opa Otto ist, den ich nie kennengelernt habe. Als wir ins Bett gehen wollen, kommt Oma nochmal und entschuldigt sich auf ihre spezielle Oma-Weise.


Tag 9

Der Wecker klingelt um 7.30 Uhr. Zum Frühstück treffen wir uns um 8 Uhr am Frühstückstisch. Vorher sind Mama, Oma, ich und Abdesselam noch durch den Garten des Hotelbesitzers gelaufen und haben verschiedene Pflanzen bewundert. Der Hotelbesitzer ist selber begeisterter Gärtner und lädt nur Gäste ein, die ebenfalls eine Begeisterung fürs Gärtnern und Pflanzen haben. Nach dem Frühstück packen wir wieder unsere Sachen zusammen und steigen in den Bus. Auf dem Weg zum Filmmuseum, fahren wir am könglichen Golfplatz vorbei: eine wirklich karge und öde, steinige Landschaft, aber riesengroß.

1. Stopp: Filmmuseum
Fritzi ist nicht mit rein gekommen. Aber wir drei Frauen waren mit Abdesselam drin. Wir laufen durch die Filmkulissen von Aladdin 2, Kleopatra und Cäsar. Alles aus Gibs, aber es sieht so echt aus. Ich stehe im Kerker und sitze auf dem Thron von König Salomon. Und ich durfte Kleopatras Kopfschmuck tragen. Es gibt außerdem die Ali Baba Höhle der 40 Räuber zu sehen und ganz viele Requisiten und Utensilien. Außerdem gibt es eine Galerie mit den Schauspielern, die schon hier waren für Filmarbeiten. In der Nähe gibt es noch ein größeres Filmstudio (wir fahren auch dran vorbei, weil eins reicht uns), aber dort kann ich die Türme des Palastes von Kleopatra sehen, den Cäsar ihr ihm Film „Asterix und Obelix – Mission Kleopatra“ gebaut hat.

2. Stopp: Ait-Ben-Haddou
Hier ist der Drehort von den Kampfszenen aus Gladiator. Die Kashbar liegt auf einem Berg, wir laufen nur durch die Gassen und Mama und ich kaufen auf dem Weg noch bei einem Künstler ein Bild, der mit Safran malt. Also er malt erst mit Safran das Motiv und hält das Bild dann über einen Bunsenbrenner. Das Safran verbrennt und lässt sich nicht mehr abrubbeln vom Bild. Ich kaufe mir selber auch noch eine kleine Collage auf Holz: Ein Wüstenbild mit Palmen, Dromedar und Zelt auf arabischen Zeitungspapier gemalt. Außerdem schafft es Fritzi einen Halsreif von 60€ auf 35€ runter zu handeln für mich. Der Typ wollte Mama auch noch das gleiche unbedingt verkaufen, er war dann schon nur noch bei 20€, als wir schon längst weiter gelaufen sind, aber Mama wollte keins. Generell war ich etwas enttäuscht, weil im Reisefüher stand, wir würden an einem Drehort oder Filmstudio vorbei kommen, bei dem Game of Thrones gedreht wurde. Leider war das Studio zwar sowieso schon wieder abgebaut, aber eben auch kein realer Ort, sondern nur eine aufgebaute Kulisse, die hätte ich so oder so nicht sehen wollen. Wie ich später zuhause erfahren habe, ist Ait-Behn-Haddou aber auch eine Drehkulisse für Game of Thrones gewesen. Darüber konnte ich mich im Nachhinein noch sehr freuen.
Bevor wir weiter gefahren sind, gabs nochmal ne kleine Toilettenpause mit Wlan…

3. Stopp: Teppichhandwerk
Abdesselam hatte eine Teppich Cooperative für uns rausgesucht, wo wir als nächstes hinfahren. Dort darf ich mich zu den Teppichfrauen setzen und einmal zuschauen und selber knüpfen. Im Vergleich zu denen, war ich nun echt langsam und es ist eine heiden Fummelarbeit, aber dennoch ist es eine sehr meditative Arbeit. Da Mama unbedingt einen Teppich kaufen möchte, führt uns der Teppichhändler nach oben in einen großen Raum voller Teppiche, die er nacheinander auf dem Boden ausbreitet und uns die verschiedenen Knüpf- und Motivherkünfte zeigt. Ich laufe barfuß und fühle mit den Füßen die Teppiche, die Mama in die engere Auswahl für Esszimmer, Flur und Bad bringt. Dabei ist es sehr interessant, dass sich einige Teppiche mit den Händen viel rauer anfühlen und mit den Füßen ist es voll okay darüber zu laufen. Während Mama und Oma den Kauf abwickeln, zeigt Fritzi mir eine Rasselbande an kleinen Hundewelpen in dem Mini-Ort, die wir kurz gestreichelt haben.

Bei der Weiterfahrt fällt mir auf, dass die Landschaft nun von steinig und bergig zu flach und sperrlich bewachsen sich verändert. Der Tag ist außerdem sehr diesig oder neblig…die Sicht ist verschleiert und ich kann direkt in die kreisrunde Sonne sehen ohne dass mir die Augen schmerzen. Abdesselam erklärt uns, dass das kein Nebel ist, sondern sehr feiner Sand. Klingt für mich auch einleuchtend, da der Schleier nicht weißlich, sondern rötlich ist.

5. Stopp: Ziegen auf Bäumen
Wir halten, um uns dieses lustige Spektakel der Ziegen auf den Arganbäumen anzuschauen. Sie klettern richtig in die
Baumkrone und fressen die Nüsse von den Bäumen.

6. Stopp: frühes Abendbrot/spätes Mittag
Um 17.30 Uhr halten wir an einem kleinen Restaurant und essen das leckerste Omlett, das ich im ganzen Urlaub gegessen
habe: Käseomlett mit extra Schmelzkäse drauf. Das war so oberlecker!

In unserem Hotel kommen wir erst an, da ist es bereits dunkel. Es ist der Palast eines dänischen Prinzen, der nach seinem Tod das Anwesen den marokkanischen Bediensteten überlassen hatte. Mama und ich schlafen in einem der ältesten Zimmer des Palastes: Es ist riesig mit zwei großen Betten, einem Ankleidezimmer, einem großen Bad mit offener Dusche und zwei groß gewölbten Fenstern mit direktem Zutritt zum Pool. Von außen sind die Fenster verspiegelt.
Zum Abendessen war die Oma schon nicht mehr dabei sondern schon am schlafen. Und wir waren noch ziemlich gesättigt von unserem späten Mittag. Allerdings gab es diesmal was völlig unmarokkanisches, weshalb wir uns was haben zusammenstellen lassen: Pommes mit Maisreis und Spieß vom Grill – und es ist wieder so unfassbar lecker!
Nach dem Abendessen spaziere ich noch ein wenig alleine durch den Park, schaue mir die Sterne an und da Sandro schon schläft, quatsche ich ihm 15 Minuten lang aufs Band, bevor ich ins Bett gehe. Elia hat sich spontan dazu entschieden, auch mit bei uns zu schlafen.


Tag 10

Wir schlafen halbwegs aus…bis 7.30 Uhr. Mama und Fritzi springen gleich morgens in den Pool, während ich versuche eine halbwegs gute Verbindung über das Internet zu Sandro aufzubauen. Um 8.30 Uhr gehen wir zum Frühstück. Ich bin etwas schlecht gelaunt wegen meiner Unterleibsschmerzen, aber es gibt so etwas ähnliches wie Nougatcreme, nur nicht ganz so süß. Aber immer noch besser als nur Marmelade. Mama und Oma gehen schon früher um alles zusammen zupacken, Elia und ich streicheln noch die Katzen bevor wir alles wieder in unsere Koffer räumen. Langsam haben wir auch keine Lust mehr, im Urlaub ständig so früh aufstehen zu müssen und in diesen wunderschönen Hotels mal einen Tag länger zu verweilen einfach nur zum entspannen und genießen. Als wir mit Abdesselam gestern darüber gesprochen hatten, klang er nicht so begeistert bzw eher von seiner Seite unverständlich, weil doch das Land so viel zu bieten hat, aber wir sind die Kunden, wir dürfen entscheiden. Seit diesem Tag an, bringt er jedes Mal dieses Argument vor, was schon leicht beleidigt jedes Mal klang. Ja es gibt so wahnsinnig viel zu sehen hier, aber wir sind seit einer Weile unterwegs und erleben in so wenigen Tagen so wahnsinnig viel, langsam brauchen wir etwas Entspannung zwischendurch.
Als wir in den Bus steigen 1,5h später als geplant, ist es schon wieder ziemlich warm. Unser 1. Stopp ist Taroudannt, ein Kunst- und Handwerksmarkt, wo wir uns viele Körbe und Tonsachen ansehen und Mama schenkt mir eine Trommel, da sie es als schönes Handtaschenwerkzeug einer Erzieherin sich vorstellen kann.

1. Stopp: Agadir
Abdesselam wollte uns unbedingt Agadir und die neue Schwebebahn zeigen. Er selber kommt aus Agadir und wir haben
ein wenig das Gefühl er nutzt die Chance, da er mit Touristen kostenlos rein kommt, sich das hier anschauen zu können. Ich
fand es ein wenig spannend, da man von der Gondel aus viel sehen konnte und vor allem das Areal unter uns war zwar
karges, bewachsenes Land mit mittendrin einer Treppe oder Grundrissen von Gebäuden. Abdesselam erzählt, dass dort mal
eine Wohnhaussiedlung gestanden hatte und alles bei einem Erdbeben eingestürtzt ist. Die Treppe und einzelnen Sockel
sind die kläglichen Überreste dessen. Oben auf der Kashbar, die gerade rennoviert wird, gehe ich nur auf die Toilette und
verstecke mich ansonsten vor der Sonne, die wirklich heiß nieder brennt. Danach führt Abdesselam uns zur
Strandpromenade, damit wir dort was essen können. Die Sandwiches schmecken schlecht und der Kellner vertreibt einen
Hund, der unter einem der Schirme etwas Schatten gesucht hat, um der Hitze zu entfliehen. Elia nutzt eine kurze
Gelegenheit, um ins Meer zu hüpfen und sich abzukühlen.

2. Stopp: Fotopause am Meer
Auf dem Weg nach Essaouria fahren wir immer nur am Meer entlang und Mama und ich beobachten wie diese tollen großen
Wellen an die Küste rollen, solche schönen Wellen zum hüpfen!
Wir fragen Abdesselam, ob wir nicht nochmal wo halten können zum reinspringen, aber er meint, es gibt hier nichts, eben
außer der städtischen Strände, aber die hatten wir ja schon abgelehnt. Dann halten wir auf einer Anhöhe, wo Abdesselam mit
seinen Touren immer anhält um eine Fotopause zu machen. Mama und ich stehen am Hang und beobachten die Surfer da
unten. Wir gehen ein Stück und sehen, dass da ein Weg nach unten führt. Ich hole ein Handtuch und mit Fritzi laufen wir
nach unten zum Meer, ziehen uns bis auf die Unterwäsche aus und gehen ins salzige Nass. Es ist kalt, kälter als gedacht,
aber es ist so erfrischend und der Sand ist weich. Wir gehen etwas hinein und bleiben auf einer Sandbank stehen und
springen über und in die Wellen. Es ist so ein fantastischer Moment! Ich fühle mich wieder so glücklich und zufrieden und
würde gern ewig hier verweilen! Es ist, wie ein langersehntes Ziel oder Ereignis, das endlich eingetreten ist. Als wir wieder
rauskommen, hat das Meer unsere Sachen mit einigen Wellen überspült. Wir gehen zum Bus zurück und ziehen uns dort um.
Unser Fahrer Mohammed und Abdesselam waren auch kurz am Meer, um sich die Beine zu vertreten und die Füße
abzukühlen. Als sie wieder kommen sagt Abdesselam, dass er nicht wusste, dass man hier runter gehen kann. Er macht
schon seit Jahren hier Fotopause, aber das ist ihm noch nicht aufgefallen, aber das wird er sich merken. Wir steigen alle wieder
zusammen ins Auto und die Fahrt geht weiter. Allerdings vom Meer weg Richtung Inland. Weil es Fritzi immer noch
ziemlich schlecht geht, kauft Abdesselam uns auf einem Markt einen Sack Bananen…die sind so klein und gelblich-grün,
aber in dem Moment so unfassbar lecker. Was für ein Genuss!

3. Stopp: Essaouira
Essaouria ist die Hippiestadt Marokkos und liegt direkt am Meer. Und der Hippistrand heißt Diabat. Unser Hotel liegt wieder
in der Medina. Hier fühle ich mich nicht wie eine Fremde oder Touristin oder Ausländerin. Das ist die erste Stadt, in der ich
mich wohl fühle. Diesmal teile ich mir ein Hotelzimmer mit Oma, sie hat unten ein Bett direkt neben dem Bad, ich habe ein
großes Bett in der zweiten Ebene, die mit einer engen Treppe zu erreichen ist. Ich genieße es, ein großes Bett für mich alleine
zu haben und ich schlafe so wahnsinnig gut hier drin!

Während Elia im Bett bleibt, suchen Mama, Oma und ich uns ein kleines Restaurant für das Abendessen. Da ich nicht so hungrig bin, essen wir zusammen ein Menü: Soupe Maroccain und Couscous vegetarien. Plötzlich bekommen Oma und Mama so einen Lachanfall, dass sogar das Paar am Nachbartisch anfängt zu Lachen. Leider erfahre ich nicht, was so lustig ist. Ich gehe vor den beiden allein zurück zum Riad und begegne Fritzi auf der Treppe, der sich in den verschiedenen Treppenhäusern des Hotels von der Dachterrasse zum Hotelzimmer verirrt hatte und sehr froh war mich zu sehen. Ich bin dann müde direkt ins Bett gegangen.


Tag 11

Am nächsten Morgen wache ich periodenbedingt nicht so fröhlich auf, obwohl ich in dem Bett echt richtig gut geschlafen habe. Ich komme als Letzte zum Frühstück, was aber meine Laune mit Baguette, Ei und Salz wieder aufhellt. Anschließend verschwindet Fritzi wieder ins Bett, während Mama, Oma und ich uns von Abdesselam durch die Stadt führen lassen. Wir laufen zuerst zur Stadtmauer, die ans Meer grenzt. Es ist windig und sehr neblig, was die Aussicht aufs Meer erschwert, dem ganzen aber doch einen wundervollen Moment beschwert, weil ich die Wellen an die Steine schlagen höre, dazu die kreischenden Möwen und mein Tuch klebt vom Dunst feucht in meinem Gesicht. Während wir durch die süßen kleinen Straßen gehen, fotografiere ich all die süßen, wundervoll verzierten, blauen oder ziemlich alte Türen. Abdesselam erklärt, dass die Aufmachung der Tür darüber Auskunft gibt, wie reich die dahinter wohnende Familie ist. Also je schöner die Eingangstür, desto reicher die Familie. Von einer Tür bin ich ganz besonders fasziniert: Sie ist in einem wunderschönen Blau gemalt, schon leicht heruntergekommen und eben nicht mehr ganz perfekt, alt. Sie gehört zu einem leerstehenden Gebäude, das früher mal ein Künstlercafé gehörte. Mit Dachterrasse. Man könnte es kaufen. Und meine Gedanken kreisen schon wieder in schönen Vorstellungen über ein Büchercafé… Wir laufen weiter über den Markt, wo auf einem Berg aus Teppichen eine Katze sitzt – Die Katze auf der Erbse vielleicht? Abdesselam erklärt uns, dass die Stadt geteilt ist in das Berberviertel und das arabische Viertel. Schließlich kommen wir zu dem Silberschmuckhändler, von dem unser Guide geschwärmt hat seit längerer Zeit. Wir verbringen so viel Zeit mit gucken und ausprobieren dort, dass Oma und Abdesselam vom Verkäufer mit Tee und Keksen und Sitzgelegenheiten bewirtet werden. Ich werde fündig und kaufe mir einen Ring mit einer Welle darin und drei verschiedene Kettenanhänger: Palmen, ein mit Stein und einen Windsurfer, den ich Elia Weihnachten schenken möchte. Auf dem Weg zurück in die Innenstadt, kaufe ich mir noch zwei für Marokko typische Teegläser mit geflochtenem Griff in ungleicher Höhe und Farbwahl. Postkarten holen wir auch noch und besuchen den Holzladen, den Mama entdeckt hatte. Dort kaufe ich für Sandro einen Becher aus Holz und für mich ein kleines liegendes Dromedar, dass von der Holzmaserung aussieht wie Wüste und ein kleines Tablett. Es war echt ein Shoppingnachmittag, denn dazu kamen noch marokkanische Musik auf CD. Nach ein wenig Ruhe im Hotel sind wir in ein vom Reiseführerbuch empfohlenes Pasta-Restaurant, welches aber nicht so gut war. Aber insofern ganz cool, weil man sich die Nudelart und Soße individuell zusammenstellen kann. Auf dem Weg zurück zum Riad wurden wir noch von einem jungen Mann mit Dreadlocks eingeladen, rauf zu kommen, was zu trinken und der Livemusik zu lauschen und zu tanzen. Lust haben wir zwar schon, wollen aber erst im Riad unser Zeug ablegen. Da bin ich dann bei Mama im Bett an sie gekuschelt eingeschlafen und gegen 22 Uhr wieder aufgewacht. Mama hatte sich einfach in das andere Bett gelegt, aber ich bin doch lieber rüber in mein eigenes, großes Bett gegangen und dort schnell eingeschlafen.


Tag 12

Um 7.30 Uhr klingelt der Wecker. Aufstehen, duschen, anziehen, Koffer packen und frühstücken gehen. Oma sitzt noch allein am Tisch, Mama und Elia kommen später dazu, weil Fritzi seine Tasche nicht gefunden hat und dachte er hätte sie im Pasta-Restaurant vergessen. Aber Mama findet alles! Bevor wir die Koffer runtergebracht haben, sind wir nochmal auf die Terrasse geflitzt, um die Aussicht zu bestaunen, aber die besteht hauptsächlich aus anderen Terrassen und Dächern.

1. Stopp: Argan cooperative
Auf dem Gelände wird uns ein 500 Jahre alter Arganbaum gezeigt. Mama meint, dass man so alte Bäume anfassen muss und die Energie spüren soll. Elia ist wie elektrisiert von der Lebenserfahrung, die ihn bei der Berührung durchquert.
Die Dame erklärt uns, dass die Ziegen lediglich die Schalen der Aragnnuss fressen, die Nuss wird nochmal aufgespaltet. Mit der zweiten Schale wird vor allem geheizt und die Armande-Nuss zermalmt, und mit Wasser zu einem Brei ausgequetscht, wodurch das  Öl und eine feste braune Masse entsteht. Die braune Masse wird für Seifen und Peeling weiterverwendet. Das Öl kann rein bei (trockener/m) Haut, Haar, Körper, Akne, Muskelschmerzen und Neurodermitis angewendet werden. Außerdem stellen sie auch noch Arganhonig oder eine Nusscreme für aufs Brot her. Der Arganbaum ist sehr wertvoll, weil er nur in Marokko wachsen und produziert werden kann. Wir kaufen was und steigen wieder in den Bus ein.

Unterwegs auf der langen Straße sind immer mal wieder Menschen zu Fuß unterwegs, wo ich mich frage, wo die herkommen bzw wie weit sie schon gelaufen sind, wenn ich mir so überlege, wie lange wir schon auf dieser Straße unterwegs sind und noch keine andere gesehen haben.

2. Stopp: Neustadt Marrakesch (gespr. Maraksch)
In der Neusstadt Marrakeschs machen wir einen Essensstop. Elia kauft einem Straßenhändler eine Casiouhr ab und wir
setzen uns in eine Mall und essen Sushi. Das hier ist ein totaler Kontrast zum bisherigen Urlaub an dem, was wir so gesehen
haben. Alles ist so modern und fast so wie bei uns in Europa. Ein ungewöhnlicher Anblick.

Nach dem Essen fahren wir mit dem Bus in die Medina. Bis zum Riad sind es 5 Minuten Fußweg durch kleine, dunkle und enge Gassen. Aber dann treten wir in das Riad ein und drinnen ist es hell und freundlich und gemütlich und ein Minipool ist in der Mitte. Unsere Zimmer ist parterre zur rechten und linken Seite des Pools. Diesmal teile ich mir mit Fritzi ein Zimmer und wir entscheiden uns zusammen im großen Bett zu pennen. Wir ruhen uns alle 2h aus und Elia macht sich auf den Weg zum Basketballspielen und ich gehe auf die Terrasse und fotografiere Blumentöpfe von Kakteen. 19 Uhr sind Mama und Oma immer noch nicht fertig mit ausruhen. Aber 19.30 Uhr gehen Mama und ich los, nachdem wir uns vom Riadbesitzer den Weg erklären lassen haben und Oma ihre Sorgen losgeworden ist, ob das um die später Uhrzeit eine gute Idee ist, noch alleine loszugehen. Wir laufen durch die Straßen, es ist laut, man sieht irgendwo Militär, die Straßen sind belebt, bis wir in eine Gasse ohne Verkehr einbiegen und ich bin irgendwann freue, wieder andere Touristen zu sehen. Unser Ziel ist der Gauklerplatz Jemaa El-Fatina. Ein riesiger Platz voller Gaukler und verschiedener Spektakel, wo sich die Menschen jeden Abend treffen, um Geschichten zu erzählen bzw. zu lauschen und Musik zu machen. Dieser Platz ist UNESCO Weltkulturerbe geworden. Und es gibt unfassbar viele Fressstände, beim Vorbeilaufen, werden wir mindestens einmal pro Stand gefragt, ob wir uns setzen wollen. Wir schauen einem Gaukler zu, verstehen aber nichts von seiner Geschichte, die er erzählt. Plötzlich spricht er uns direkt an und fragt, woher wir kommen. Bei der Antwort meinte er, und zog alle Lacher auf sich „Die Deutschen lachen viel, haben aber nie Geld.“ Wir gehen weiter, uns war das nicht geheuer und Mama fand ihn aggressiv.
Es riecht nach Pferdemist, wir laufen einmal quer über den Platz, wo Stände kommen. Ich schaue mir ein Kleid an, weil ich es schon schön fände, noch was Traditionelles mit nach Hause nehmen zu können. Der Verkäufer spricht uns an und lädt uns ein, was anzuprobieren. Ich probiere unfassbar viele Kleider an, aber es ist nicht das richtige dabei. Ich bekomme schon langsam ein schlechtes Gewissen, weil der Typ zu anderen Ständen läuft, um das passende für mich zu finden und ich glaube so langsam, hier nicht mehr fündig zu werden… in dem traditionellem Kleid sehe ich aus wie eine indische Prinzessin, aber für 65€ ist mir das zu teuer. Schließlich entscheide ich mich für ein türkisfarbendes Kleid, dass etwas indianisch aussieht. Auch wenn mir der Preis dafür immer noch zu teuer ist mit 40€, will ich einfach nur schnell weg. Mama kauft noch drei Schüsseln für 15€. Als wir um die Ecke biegen, verkauft da einer die gleichen Schüsseln, wo sie für drei Schüsseln nur 8€ bezahlt. Jetzt wollen wir nur noch ganz schnell nach Hause. Wir laufen weiter und bleiben stehen, um uns zu orientieren und den Weg im Internet zu suchen. Eine Frau spricht mich an, ob ich ein Henna Tattoo haben möchte. Ich sage ihr freundlich, dass ich keins möchte. Weil wir nicht weitergehen, nimmt die Frau meine Hand und malt einfach los. Ich kann mich nicht bewegen, ich möchte das nicht, ich frage mich ob ich einfach meine Hand wegziehen kann/darf/sollte oder ob das total unhöflich ist, aber eigentlich will ich das nicht. Mama wird unwirsch. Die Frau malt meine komplette Hand außen und innen, streut Glitzer drauf. Es sieht einfach nur furchtbar aus und scheiße und ich würde es am liebsten direkt wegwischen, aber dann würde es ja für die nächsten drei wochen verwischt auf meiner Hand kleben. Die Frau will 60€ dafür haben. Mama wird richtig sauer und gibt ihr 2€. Die Frau will das Geld nicht, Mama schnappt mich und wir laufen los. Die Frau kommt uns hinterher und will dann noch lieber die 2€ als gar nix. Wir laufen und laufen. Die Stände werden immer weniger und weniger. Es ist kein Himmel zu sehen. Über uns ist eine Plane. Keine Läden. Es ist dunkel, es stinkt und es ist keine Menschenseele mehr zu sehen. Wir treffen einen Mann mit einem Schlüssel und Uniformähnlicher Kleidung. Er sagt, dass das Tor bald geschlossen wird und führt uns durch diese kleinen Gassen bei denen ich mir sicher bin, den Rückweg nicht mehr so leicht zu finden. In Gedanken frage ich mich auch, inwiefern das jetzt so clever ist, hier einem wildfremden Mann durch dieses Labyrinth zu folgen und zu vertrauen, dass er uns was Gutes will. Wir kommen durch finstere Gassen. Es ist so beängstigend. Irgendwo ein einem Loch macht sich ein Mann sein Bett aus einer Zeitung zurecht und bequem, woanders starrt einer geistesabwesend in den Fernseher. Wir sehen ein geschlossenes Tor von der anderen Seite. Aber auch ein offenes Tor direkt gegenüber. Wir bedanken und bei dem Mann und wollen loslaufen. Der Mann fragt nach Geld. Wir geben im 2€, er will 20€. Mama bedankt sich nochmal und wir laufen los, durch das Tor und in die nächste Straße unter Menschen. Mama meint, der Mann hatte einem aggressiven Blick und sah sehr unzufrieden aus. Wir folgen der Karte bis wir wieder auf der Verkehrsstraße sind. Wir sind fast am Riad, aber es ist schwierig die richtige Gasse zu finden. Dann sind wir da und Erleichterung macht sich breit. Nicht nur bei uns, auch bei unserem Gastgeber und bei Oma.  Ich versuche direkt das Henna abzuwaschen. Ich bin wütend auf mich selbst und hasse es, nicht genommen zu haben, mich, meinen Körper und meine Willen nicht verteidigt zu haben. Oma geht schlafen, dafür kommt Elia vom Basketball zurück.
Wir sitzen noch zu dritt auf der Terrasse und Mama erzählt von Papa, der Hochzeit, nach der Hochzeit, dem Entfernen, Kirsten, der Trennung und wie das alles für sie damals war. Für mich ist dieser Blick in die Vergangenheit immer wieder interessant und spannend. Vor allem, da ich dabei war und so die ganze Situation nochmal aus einer anderen Perspektive betrachten kann. Bis Mitternacht liegen wir auf dem Bett auf der Terrasse, hören Hindi Zahra und betrachten die Sterne, bevor wir schlafen gehen.


Tag 13

Wir schlafen bis 9 Uhr. Aufstehen, Frühstücken, Henna. Erinnerungen. Schäme und ärgere mich. Abdesselam holt uns ab und wir fahren zum versteckten Mausoleum des Sultans. Wir stehen in der Schlange um eine  Blick und ein Foto auf die goldene, prunkvolle Todesstätte zu erhaschen. Es ist furchtbar heiß.
Nächster Halt: Der Palast. Es ist riesengroß, unglaublich viele Toruisten, große Gärten, Fenster, Mosaiken, Verzierungen, Türen, Restauration. Ich habe Bauchschmerzen und verstecke meine Hennahand, es stört mich. Mir ist schlecht und schwindelig. Danach ein Museum über Teppiche. Elia hat keine Lust darauf. Ich gehe mit rein, laufe, schaue, höre nicht zu, konzentriere mich auf meine Unterleibsschmerzen, setze mich, Kreislauf sackt weg, ich gehe in den Garten. Keine Touristen hier, Bäume, Wasser plätschert, Vögel singen, ich gehe auf die Toilette. Danach geht’s mir besser. Ich finde einen Teppich mit Knüpffehler. Oma sagt, das ist kein Fehler, Abdesselam sagt, es wurde and er Stelle repariert, aber halt nicht gut. Wir gehen zum Gauklerplatz was Essen. Elia kommt auch wieder dazu. Es gibt ein Käse Omlett…Najaa… Wir laufen rüber zur Minarette, das Wahrzeichen von Marrakesch. Die Sonne brennt. Oma, Abdesselam und Elia sitzen im Schatten, Mama und ich gehen einmal drumherum, warten auf den Fahrer. Dann geht’s zurück zum Hotel. Ausruhen, ich schlafe 2 Stunden. Elia ist auf dem Basketballplatz. 19.30 Uhr weckt Mama mich. Es ist schon dunkel, wir sitzen auf der Terrasse und quatschen über Essgewohnheiten und gesunde Ernährung. Um 20.30 Uhr wird für uns auf der Terrasse das Abendessen gedeckt. Um 21 Uhr essen wir. Auberginensalat mit Brot, Pastete mit Zimt und Zitronenhühnchen und Obstsalat. Es ist viel zu viel. Wir schaffen nicht alles. Mama und ich legen uns auf s Terrassenbett und warten auf Fritzi. Er ist um 23 Uhr da. Wir hören Reggae, schauen Mond und Kakteen an. Vor dem Schlafen gehen räume ich noch alles zusammen und packe meine Koffer. Fritzi schläft schon längst und mir fällt es schwer einzuschlafen.


Tag 14

8.30 Uhr klingelt der Wecker, aufstehen, duschen, frühstücken und Koffer rausschieben. Wir räumen unser ganzes Gepäck in den Bus und fahren zum ANIMA-Garten von André Heller. Der Garten ist ein riesiges grünes Paradies mitten in der öden und trockenen Landschaft Marokkos. Viele alte Bäume, zwischendurch Skulpturen und Plastiken, Augen, Kegel, bemalte Palmen, ein komplett verspiegeltes Haus und so vielfältige Pflanzen: Von Palmen über Hibiskus zu verschiedenen Kakteen. Außerdem gibt es eine Statue, die jede Minute Sprühnebel spuckt – eine wundervolle Abkühlung bei 34°C. Zuerst ging es durch den Dschungel zusammen mit Abdesselam, anschließend ist nochmal jeder für sich durch geschlendert. Ich habe mich beim Spiegelhaus und bei den bemalten Palmen hingesetzt und einfach die Aussicht genossen, den Vögeln gelauscht und immer wieder was neues entdeckt. Zum Schluss saßen wir noch im Café und haben einen leckeren Apfel-Orangen-Saft getrunken und einen Anima-Salat gegessen – bzw ich Oma Reste.

Danach ging es durch ein blaues Türchen zurück in die Wüste und zum Bus. Gegen 16 Uhr waren wir zurück im Riad und konnten uns noch mal ausruhen und im Pool die Temperatur runter kühlen. Um 17 Uhr sind Mama und ich nochmal losgelaufen Richtung Zentrum um ein paar Kissenbezüge zu finden. Sie ist dann fündig geworden und hat drei für 80€ gekauft, in einem unscheinbaren Innenhof. Der Mann der da arbeitet, hat uns ständig verfolgt, egal wo wir hin gegangen sind, das fand ich sehr komisch. Auf dem Weg zum Riad zurück, habe ich ein Paar Ohrringe für Lavinia und Wasser für unser letztes Stück Reise gekauft. Zurück im Riad gehen wir alle nochmal duschen, ziehen uns um und werden um 19 Uhr von Abdesselam abgeholt. Wir schenken ihm zum Abschied noch ein Buch und eine Samenbombe aus dem Animagarten für seinen eigenen Garten. Darüber hat er sich sehr gefreut und uns alle links und rechts umarmt. Dann geht es zum Bus und Abdesselam ist an einer Ampel ausgestiegen. Unser Fahrer Mohammad bring tuns noch 2,5 Stunden bis zum Flughafen in Casablanca zurück. Im hellen habe ich noch den Anblick der Landschaft in mich aufgesogen, im dunkeln Musik gehört und geschlafen. Am Flughafen angekommen bedanken und verabschieden wir uns von Mohammad und gehen zum Check-In, wo wir 1h lang anstehen. Das Restaurant dort war nicht so lecker, wir trinken noch alle unsere Flaschen aus und kommen zur Kontrolle. Mamas Flasche konnte trotz Inhalt passieren. Elia hat immer noch Hunger. Er und Mama suchen Essen, Oma und ich sitzen wartend am Gate, schauen uns die Fotos der Kamera an und unterhalten uns über das Studium und die Arbeit in der Kita.
(Tag 14) Viertel nach 1 beginnt endlich das Boarding. Aber irgendwie auch nicht und alles dauert noch ein bisschen länger Flugstart verzögert sich auch um 30 Minuten. Ich schlafe hauptsächlich. Mir tut der Hintern vom Sitzen weh.
6 Uhr landen wir in Frankfurt. Kontrolle durch die Bundespolizei. Dann die automatische Grenzkontrolle.

Ich halte meinen Pass in den Sensor.
Typ vom Personal kommt an: „Was machen Sie da?“.
Ich: „Naja, ich versuche meinen Pass zu-“.
Er: „Ja das machen Sie schon richtig…“ 😀
Ich: „…Und was machen SIE da?“ 😛
Er: „Leute nerven.“ ^^

Das hat meine Laune mit dem schlechten Schlaf erstmal wieder gehoben. Nach einem kleines Frühstück haben wir dann unsere Züge gesucht. Da Oma nach Bonn und nicht nach Berlin mitkommen wollte, haben wir unser Ticket umändern lassen, dass wir zusammen über Bonn fahren können, Oma kostenlos noch mitfahren kann und ich steige in Düsseldorf in den Zug nach Berlin.
Wir verabschieden uns von Mama und Fritzi und in Bonn voneinander. In Düsseldorf fällt mein Zug leider aus, wegen Reparaturen. Nach langem Anstehen im Reisezentrum, heißt es, ich kann den nächsten Zug um 10.52 Uhr nach Berlin nehmen.  Dann hab ich auch noch kein Geld mehr um auf die Toilette zu gehen. Ich warte am Gleis. Zug fällt aus. Ich bin müde und maulig, muss aufs Klo, habe keine Kraft mehr, will nach Hause und Handyakku ist bald leer. Ich rufe Mike an, ob ich nicht auch noch Bonn kommen könne, alle nötigen Akkus auflade und es später nochmal versuche. Also fahre ich eine Stunde lang mit dem Zug nach Bonn zurück. Mike holt mich ab und ich schlafe eine Stunde lang bei ihm auf der Couch. Danach bin ich trotzdem immer noch todesmüde. Wir essen zu dritt gemeinsam und sie bringen mich wieder zum Bahnhof. 15.04 Uhr nehme ich den Zug nach Köln. Somit bin ich heute das dritte Mal in Köln. Auf den Wegen nach Düsseldorf und Bonn bin ich jeweils auch einmal über Köln gefahren. Ich nehme eine  Zug früher, damit ich auch wirklich den einen Zug in Köln bekomme. Ich muss mich echt anstrengen, nicht einzuschlafen. Als mein Zug kommt und ich bin endlich hinsetzen kann und wir nach Berlin losfahren, kann ich endlich schlafen.

Hier endet mein Tagebucheintrag, ich  bin nach Hause, vielleicht hat Sandro mich auch noch abgeholt aber wichtig war, dass ich richtig gut schlafen konnte! Aber das war er, der wunderschöne Marokko Urlaub. Hat mich viel Zeit gebraucht, alles aufzuschreiben und euch hat es sicher viel Zeit gekostet, alles zu lesen. Ich denke gern an den Urlaub zurück und schaue mir die Foto an. Deswegen hier noch eine kleine Auswahl an Bilder, die ich zeitlich nicht einordnen kann, die aber die Reise auch noch schön eingefangen haben und die ich total schön finde.



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